Wir erschaffen Liebe

…mit unseren Gedanken

Aber wer erschafft unsere Liebe und Gedanken? Wir, klar. Wir denken, also sind wir.  

Das Problem ist nur, dass wir die meiste Zeit des Tages Schrott denken, durchschnittlich 60.000 bis 80.000 Gedanken, sagen Neurologen. 

„Brot kaufen.“, „Die Verkäuferin hat einen blöden Pulli an.“ und: „Ich hab echt Falten auf der Stirn bekommen.“ sind nur drei davon. Woher kommen diese Gedanken? Denken wir all das bewusst und weil wir es wirklich wollen? Sind wir unsere Gedanken? Ist mein Gehirn mein Ich? Das würde dann heißen, dass ich die Brot essende Modekritikerin mit schlaffem Bindegewebe bin. 

Sowas kommt dabei raus, wenn man sich ne Weile selbst beim Denken zuhört. Aber wir sind natürlich mehr, als das neuronale Dauerfeuer in unserem Gehirn. 

Wir haben einen derart komplexen Neokortex (das analytische, denkende Gehirn), dass wir während wir denken, denken können, dass wir denken. 

Das nennt man dann Metakognition. Nur leider benutzen wir unseren Verstand eher wie eine Schrotflinte, mit der wir wild in der Gegend rumballern, statt als Präzisionswaffe. 

Für meinen Podcast “Kopf über Herz – der wissenschaftliche Beziehungsratgeber”, der bei Audible zu hören ist, habe ich mich mit der Liebe beschäftigt. Hören könnt Ihr den hier.

Wenn wir glückliche Liebende sind und nicht mehr bedürftige Brauchende, sind wir ausgeglichen, glücklich und haben die Kraft und die Energie, die Welt zu verändern. 

Wenn wir dagegen ständig mit Streit und Konkurrenz, Druck und Angst beschäftigt sind, werden uns keine großen Erfindungen einfallen. Wer sich mit seinem Partner streitet, eifersüchtig oder gelangweilt ist, sexuell frustriert oder traurig und einsam, der wird keine großen Pläne, Ziele oder Ideen haben. 

Unser System ist dann nämlich damit beschäftigt, Kohärenz im Hirn zu schaffen. Damit sich im Kopf alles irgendwie wieder angenehm anfühlt, trotz Streit und Stress.  

Das machen wir dann mit Alkohol, shoppen, Süßigkeiten, Chips, Serien bingen oder Drogen. Das fühlt sich gut an, zumindest in dem Moment. Langfristig macht´s aber arm, fett und dumm. 

Deswegen ist es wichtig, dass wir aufräumen, in uns selbst, in unseren Beziehungen, in unseren Leben. 

Aber Liebesglück fällt nicht einfach vom Himmel, auch wenn wir entweder immer noch meinen, mit dem oder der Richtigen würde das alles über Jahrzehnte von alleine fluppen oder, was viel schlimmer ist: Beziehung ist ausschließlich Arbeit, Kompromiss und Leid. 

Liebe und Gedanken

Wir gehen irgendwann fremd, lügen, betrügen, suchen, warten und geben womöglich frustriert auf. 

“Dann find ich eben keinen der zu mir passt.”

“Dann bleibe ich eben mit ihr zusammen und habe nie wieder guten Sex.” 

Ob es im Bett richtig Spaß macht, ob die Liebe auch nach zehn Jahren noch da ist und ob wir darüber streiten, wer die Küche sauber macht, liegt nur daran, wie wir unser Bewusstsein und damit unser Gehirn benutzen. Unser Gehirn speichert nicht einfach all die Daten, die sekündlich über die Sinnesorgane geliefert werden, es erschafft sogar eine völlig neue Welt, indem wir alles verarbeiten und interpretieren.

“Die beiden größten Rätsel in der gesamten Natur sind der menschliche Geist und das Universum.” 

schreibt der Physiker Michio Kaku in “Die Physik des Bewusstseins” 

Wir haben uns also einiges vorgenommen. 

Wenn wir etwas neues lernen (auch, dass eine Trennung zum Beispiel weh tut), stellen wir synaptische Verbindungen her, Autobahnen im Gehirn. Gefestigt und ausgebaut werden diese Autobahnen durch Wiederholung, vor allem aber durch Emotionen (Liebeskummer!). Jedes Gefühl sorgt dafür, dass die Verbindungen in unserem Gehirn stabiler werden. Jeder, der in der Schulzeit keine explizit romantischen Gefühle zu binomischen Formeln hatte, wird sich kaum an sie erinnern, während wir ganz sicher noch wissen, wie unser erster Kuss war. 

Der Neurologe Gerald Hüther schreibt in seinem Buch “Was wir sind und was wir sein könnten” dazu: 

“Nicht das viele Wissen, nicht die auswendig gelernten Lehrsätze, nicht die vielen gelesen Ratgeber und Lehrbücher, sondern die Vorstellungen, die inneren Überzeugungen, die Welt- und Menschenbilder, mit denen wir herumlaufen, bestimmen unser Denken und Handeln. Sie versuchen wir zu verwirklichen, ihnen folgen wir und an ihnen hängen wir wie in selbst geschmiedeten Ketten.” 

Das heißt, alles, was wir in unserem Leben mit Hilfe unserer Gefühle gelernt haben, findet sich in unserem physischen Gehirn wieder. 

Wobei negative Gefühle immer stärkere Auswirkungen haben, als positive. Mega ätzend. Autobahnen des Schmerzes, Wege der Trauer, Windungen der Demütigung. Die Angst vor dem ersten Sex, die erste Trennung, frustrierende Dates, Streit, die lähmende Beziehung der Eltern, all das hat sichtbare Spuren in unseren Gehirnen hinterlassen. 

Am Anfang unseres Autobahnbaus steht ein Gedanke, dieser setzt Emotionen frei, Neurotransmitter werden ausgeschüttet (zum Beispiel Dopamin oder Serotonin) und bilden dann die Synapsen. Diese werden ausgebaut, je öfter wir diesen Gedanken denken (auch in Abwandlungen) und plötzlich sind wir eben so. 

Wir sind unsere Gedanken geworden. Diesen Vorgang nennt man Neuroplastizität, unser Gehirn ist also plastisch formbar.

Wir formen selbst unser Gehirn! Ist das nicht abgefahren!? Wir basteln unser Gehirn selbst. Wir tun es, jeden Tag. Ob wir wollen oder nicht. Jeder Gedanken und jedes Gefühl sorgen dafür, dass wir die Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen, selbst herstellen. 

Der Neurologe Dr. Joe Dispenza hat es in diesem Video ganz wunderbar erklärt:

https://www.youtube.com/watch?v=PyrURHnbd0Y

Nehmen wir einen jungen Mann, der aus dem Gedanken “Meine Freundin hat mich verlassen, weil ich nicht cool genug bin.” mit einem Cocktail aus Trauer, Schmerz und Wut schließlich ein “Ich bin nicht cool genug.” macht. 

Mit jahrelangen fleißigen Wiederholungen und verstärkenden Emotionen wird daraus dann irgendwann ein “Ich kriege keine Frauen, weil ich ein Loser bin.” 

Diese Synapsen trägt der Gehirnbesitzer dann in einen Club, versucht zu flirten und wundert sich, dass es nicht klappt. Am Ende landet er wieder allein im Bett und baut die Autobahn in seinem Gehirn mit Gedanken wie “Ich wusste es doch, alle Frauen sind blöd.” mittlerweile zweispurig aus. Aktiv zwar, allerdings natürlich ohne es zu merken, geschweige denn zu wollen. 

Wir sind deswegen aber mitnichten Opfer unserer neuronalen Verschaltungsmuster. 

Wir können uns – siehe Dr. Joe – selbst neu erfinden und denken, was wir wollen. Am Anfang mag das noch unrealistisch klingen (“Moment mal, ich kann doch nichts dafür, dass die Anderen doof sind!”), aber es geht! 

Hier ein paar Ideen dafür. 

Holt euch ein Notizbuch und schreibt Sätze rein, von denen ihr überzeugt seid.

Zum Beispiel:

  • Alle Frauen sind doof.
  • Ich verliebe mich immer nur in die Männer, die sich nicht in mich verlieben.
  • Ich kann nicht mit Geld umgehen.
  • Ich kann das nicht.
  • Das schaffe ich nie. 
  • Ich bin unglücklich in meiner Beziehung. 

Und jetzt formuliert genau das Gegenteil, nämlich, das was ihr eigentlich denken wollt, also das, was ihr euch wünscht: 

  • Ich werde eine wundervolle Frau kennen lernen
  • Ich verliebe mich in einen Mann, der sich in mich verliebt.
  • Ich kann ein solides Vermögen aufbauen.
  • Ich kann das lernen. 
  • Ich kann es schaffen, wenn ich es versuche. 
  • Ich gestalte meine Beziehung jeden Tag selbst. 

Ihr könnt die alten Sätze jetzt verbrennen, zerreißen, schreddern oder essen. Hauptsache sie sind weg. 

Mit den neuen Sätzen können wir jetzt spielen: malt euch aus, wo ihr diese Frau kennenlernt, wie sie ist und was sie zu etwas Besonderem macht. Ihr könnt euch den Mann vorstellen oder die Höhe eures Vermögens. Wie habt ihr es gemacht? Aktien? Stellt euch vor, wie ihr etwas fantastisches schafft, erreicht, aufbaut. Seht es vor euch, fühlt es! Erschafft eure Traum-Beziehung, wie ist sie denn, wenn sie so ist, wie ihr es wollt. Was ist anders als jetzt? Was wünscht ihr euch? Was unternehmt ihr mit eurem Partner? 

Schreibt all das auf, schreibt Kurzgeschichten und schmückt es aus. Je mehr Sinne involviert sind, desto besser. Also schmeckt ein leckeres Essen mit eurem Partner oder den Champagner, wenn ihr eure Erfolge feiert. Riecht das Meer, wenn ihr hin wollt und hört ein Baby lachen, wenn ihr einen Kinderwunsch habt. Ganz egal, was es ist. Spürt eure neue, fantastische Zukunft. 

Und diesen Film schaut ihr jetzt jeden Abend vor dem Schlafengehen in eurem Kopf an. 

Wenn ihr das lange genug macht, wird euer Gehirn alles in Bewegung setzen, um daran zu kommen. 

Ihr werdet Lösungen für Probleme finden und keine Probleme neu erfinden. Eure Gedanken werden darum kreisen, wie ihr Euer Ziel erreichen könnt. Euer Gehirn wird Wege finden, die euch vorher nie aufgefallen sind, obwohl sie direkt vor euch lagen. Ihr habt sie vorher einfach nicht wahrgenommen. 

Diese Übungen machen wahnsinnigen Spaß, weil wir uns dann so richtig ausgiebig mit unserem neuen schönen Leben beschäftigen können. Wir trainieren uns dazu, neu zu denken, neu zu fühlen und dann: neu zu leben. 

Schneidet Fotos aus Zeitschriften aus, malt euer Traum-Leben, dreht einen Film, macht Eure Bilder mit Photoshop selbst oder baut eure Zukunft aus Lego. 

Denkt euch eigene Methoden aus, schreibt sie mir und wir teilen sie hier. 

Hauptsache ihr beschäftigt euch mit dem Leben das ihr wollt und nicht mit den Dingen, die ihr NICHT wollt. Eure Gedanken machen Euer Leben und ihr macht eure Gedanken. Also überlegt euch gut, woran ihr morgen denken wollt. 

Hier noch ein paar Inspirationen Zum Thema Neuroplastizität. Ich hab beide Bücher selbst gelesen und empfehle sie deswegen von Herzen:

Wenn wir noch mehr Dinge erschaffen wollen benötigen wir vor allem eins: Kreativität. Ihr seid auch kreativ! Glaubt ihr nicht? Lest hier.

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Diane Hielscher

Journalistin, Künstlerin, Autorin und Moderatorin