Yoga macht das Leben schön

Interview mit “Think the Yoga Way”-Autorin Bettina Schuler

Yoga hilft gegen Stress, fördert die Konzentration und guten Schlaf, das Immunsystem, beugt Depressionen vor, hilft gegen Angst und verlangsamt den Alterungsprozess des Gehirns. Yoga ist ne richtig coole Sache. Trotzdem praktizieren laut dem Berufsverband der Yogalehrenden nur 5% der Deutschen regelmäßig Yoga.

Es dauert nicht lang, man kann bei YouTube tolle Yoga-Videos finden (hier sind meine liebsten) und man kann heimlich, ohne dass jemand guckt üben. Im Podcast Achtsam, den ich zusammen mit der Psychologin Main Huong Nguyen mache, sprechen wir am 10. Dezember auch noch mal ausführlich über Yoga und wie es wirkt.

Ich bin also ausgewiesener Yoga-Fan. Ich fühle mich danach und dabei wunderbar. Ab und zu mal zwischendurch 10, 20 oder 30 Minuten Yoga geht immer, es ist herrlich!

Dass Yoga darüber hinaus auch noch eine Philosophie ist und ein Weg, sein Leben zu leben habe ich von Bettina Schuler gelernt.

Ein Buch das richtig Spaß macht!

Bettina Schuler ist eine tolle, inspirierende Frau mit Humor. Und deswegen habe ich sie ausgefragt – und sie hat geantwortet. Hier das Interview.

Wie ist Yoga in Dein Leben getreten und warum bist Du drauf hängen geblieben?  

Gute Frage. Weil es mir in der Schwangerschaft den Ars* gerettet hat und ich ansonsten wahrscheinlich am Rad gedreht hätte. Ich war nämlich leider keine von diesen gut gelaunten Schwangeren, die den ganzen Tag mit einem beseelten Lächeln ihren Bauch gestreichelt haben, sondern durchgehend schlecht gelaunt. Was sicher auch daran lag, dass ich unentwegt das Gefühl hatte, mich gleich übergeben zu müssen. Heute weiß ich, dass das sicher auch daran lag, dass ich große Angst davor hatte, wie sich mein Leben mit dem Kind verändern wird. Aus lauter Verzweiflung hat mich mein Mann dann zum Yoga geschickt und als ich dort auf dieser dreckigen Matte im Savasana lag, hat es mich erwischt. Und als die Lehrerin zu uns sagte, dass wir alles loslassen sollen, alle Ängste und alles, was wir mitgebracht haben, bin ich in innerlich in Tränen ausgebrochen und habe gesehen, wie sehr ich mich selbst verloren hatte. Es war ein magischer Moment, der zugleich unglaublich beängstigend und wunderschön war. Ein bisschen so wie die Geburt. Das ist jetzt 14 Jahre her und seitdem kann ich mir ein Leben ohne Yoga, nicht mehr vorstellen.

Das heißt, Yoga kann uns retten…?

Jein. Wir können uns nur selber retten. Aber das Yoga ist ein Weg, um uns selbst und zu unserem Wesenkern zurückzufinden. Der Kern in uns selbst, in dem wir wunschlos glücklich sind und der die Welt und die andere Menschen ohne die Bewertungen sieht, die wir aufgrund unserer Erfahrungen gemacht haben, sondern so wie sie sind: wunderschön.

Jetzt wissen wir, Yoga ist Sport. Ist Yoga auch eine Religion oder eine Philosophie?

Für mich ist eine Lebensphilosophie, die uns dabei helfen kann ein glücklicheres Leben zu führen. Aber in dieser Philosophie steckt natürlich auch ein Funken Spiritualität, da sie davon ausgeht, dass wir alle mit unserem Wesenkern mit etwas Höherem verbunden sind. 

Kann man den Yoga way lernen? 

Na klar. Ich habe es ja auch getan. Was natürlich nicht heißt, dass ich dauerhaft glücklich bin. Das wäre auch allzu schön. Aber ich habe gelernt, mich nicht mehr so sehr im Außen zu verlieren und mein Glück von dem Handel und Denken andere abhängig zu machen. Denn wir alle wissen, dass das Glück, dass durch ein Kompliment von unserem Chef oder das neue Paar Schuhe entsteht, nur kurz währt. Wohingegen das innere Glück ein Boden ist, der uns trägt.

Wie können wir damit die Welt retten? 

Ganz einfach: In dem wir die ersten beiden Schritte auf dem achtgliedrigen Yogaweg gehen und uns an die Yamas und Niyamas, die Verhaltensregel im Umgang mit anderen und uns selbst halten. In dem wir zum Beispiel Ahimsa, die Gewaltlosigkeit praktizieren, und nicht nur zu uns selbst in Gedanken und Taten gewaltfrei sind, sondern auch zu anderen und zu unserer Umwelt. Oder in dem wir uns an Asteya halten und weder die Ideen noch den Besitz von andere stehlen. Was auch bedeutet, dass wir uns auch nur das von der Natur und unserem Planeten nehmen, was wir wirklich zum Leben brauchen. Wenn sich alle Menschen daran halten würden, dann wären wir in Sachen Klimaschutz- und Klimagerechtigkeit schon ein großes Stück weiter.  

Du selbst machst Du Welt auch schöner, Du hilfst traumatisierten Frauen – wie kam es dazu? Und wie genau arbeitet ihr zusammen? 

Ich habe 2014 damit angefangen, in einem Heim geflüchteten Frauen Yogaunterricht zu geben. Ich habe sehr schnell bemerkt, wie gut das Yoga für die Frauen ist. Sowohl auf der körperlichen als auch auf der seelischen Ebene. Viele von ihnen sind aufgrund der Erfahrungen, die sie in ihrer Heimat gemacht haben und aus der sie aufgrund von Krieg oder Armut geflohen sind, schwer traumatisiert. Viele dieser Traumata zeigen sich jedoch erst, wenn sie hier in Deutschland angekommen und in Sicherheit sind. Bis dahin haben sie noch funktioniert. Doch dann, wenn es um sie herum ruhig ist und sie aufgrund der bürokratischen Prozesse, in denen sie sich zunächst noch befinden, erst einmal zum Warten verdammt sind, kommt das Trauma hoch und bricht sich in Form von Panikattacken, Schlaflosigkeit und Depressionen seine Bahnen. Natürlich kann das Yoga, das alles nicht heilen. Dafür braucht es die professionelle Hilfe einer/s Therapeut*in. Aber das Yoga kann den Menschen dabei helfen, besser mit den Symptomen des Traumas umzugehen und wieder Vertrauen in sich und seinen Körper zu bekommen. Etwas, das den meisten traumatisierten Menschen abhandengekommen ist. Was ich am Yoga ganz besonders liebe ist, dass es ein Hilfsmittel ist, das uns immer und überall kostenlos zur Verfügung steht und mit dem wir uns unabhängig von anderen helfen können. Gerade Letzteres ist für traumatisierte Menschen ganz besonders wichtig. Denn in der traumatischen Situation haben sie etwas erlebt, über das sie keine Kontrolle mehr hatten, das außerhalb ihres bisherigen vorstellbaren Erfahrungsbereiches war und das sie nicht einordnen oder greifen können und das sie deshalb in eine Unsicherheit stürzt. Das Yoga kann ihnen helfen, diese Unsicherheit zu überwinden und wieder der Chef seines eigenen Körpers und Lebens zu werden. Mittlerweile haben wir so viele Lehrerinnen ausgebildet, dass wir in viele Städten in Deutschland Citizen2be – Stunden anbieten können. Zudem haben wir ein Online-Programm entwickelt, dass in vier Sprachen, Arabisch, Englisch, Französisch und natürlich Deutsch abgerufen werden kann. Dieses Programm wird demnächst auch in die Flüchtlingscamps in Jordanien gestreamt und ich hoffe, dass, wenn die Corona-Pandemie vorbei ist, ich dort auch hinfahren kann, um den Frauen dort die Kraft des Yoga näher zu bringen. 

Also Yoga macht glücklich? 

Ja, definitiv! 

Danke Bettina Schuler! Ich empfehle ihr Buch von Herzen und ich empfehle Yoga von Herzen! Ich weiß, Yoga ist so Trend und Hipster. Is mir aber egal! Ich sage es mit den Worten von Alicia Keys…

Die hatte 2016 öffentlich gesagt, dass sie sich nicht mehr schminkt. Irgendwann saß sie dann im Backstage Bereich bei einem ihrer Konzerte und hat Lippenstift aufgetragen. Als irgendwer höhnisch kommentierte “Ich denke Alicia Keys schminkt sich nicht mehr!?” hat sie geantwortet:

I DO WHAT THE FUCK I WANT!

In diesem Sinne: Namasté & ein schönes Leben! Lasst uns alle geile Sachen machen, Spaß haben, gesund sein und die Welt zu einem besseren Ort!

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Diane Hielscher

Diane Hielscher

Journalistin, Künstlerin, Autorin und Moderatorin