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Weggehen

kann man ja auch, wenn man schon weg gegangen ist.

Während mein neuer Ministerpräsident mit harschen Worten dafür sorgt, dass die Aktien der Firma Mechel durch seine Worte in den Keller fallen, gehe ich aus. Gott sei dank, brauche ich kein Rohmetall und bin kein Oligarch.

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Der Türsteher vor dem Club „Soljanka“ kann wirklich sehr böse kucken. Trotzdem lässt er alle rein und der lustige, kleine Mann, der die Taschen kontrolliert fragt mich, ob ich Champagner in meiner habe. Nein, nur Bücher. Er wundert sich nicht darüber und lässt mich rein. Hab vergessen die Tasche nach der Schule zu leeren und führe jetzt meine Russisch Lehrbücher mal richtig hip aus, in einen der coolsten Clubs der Stadt.

Meine Begleiterin erzählt mir, dass sie in nur drei Electro-Clubs geht in Moskau und das ist ihr Liebster. Ihr Ex-Liebster hat vor kurzem geschlossen. Der Club hat Holzfußboden, soll aber angeblich alles 1A Schall gedämmt sein. Wir sind von rohem Mauerwerk umgeben, über der Bar hängen riesige, runde 70er Jahre Lampen. Auf den Festerbrettern kann man sitzen, es gibt den einen oder anderen Tisch mit Stuhl, in diesem Raum, aber sehr rar gesät, hier soll getanzt werden. Noch legt der DJ für drei leicht mit der Hüfte wippende Frauen in wenig Textil auf. Und uns. Wir sitzen auf dem Fensterbrett und versuchen uns zu unterhalten. Nebenbei versuche ich außerdem Fotos zu machen, ohne, dass es einer der Sicherheitsfuzzis merkt. Fotografieren ist hier nicht erlaubt.

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Wenn man gleichzeitig einen Gin Tonic trinkt und raucht, ist das gar keine so anspruchslose Betätigung, alles in allem. Vor allem weil sich unser Gespräch um den aktuellen Stand des Journalismus in Russland dreht. Sie ist Musik-Journalistin und DJane.

Hinter dem DJ zuckt eine Lichtinstallation, an der Bar lacht eine Frau sehr sehr laut.

Ein Longdrink kostet 8 Euro und das ist ziemlich normal. Weder billig noch besonders teuer.

Wir wechseln den Raum, ich soll ja alles sehen, gehen durch den zweiten in den dritten. Alles sehr schön eingerichtet. Geschmackvolle, alt anmutende Möbel neben neuen Designerlampen aus Plastik, zuckende Lichter all überall. Nur die Klimaanlage ist hier zu hoch eingestellt. Ich friere, obwohl ich mehr als doppelt so viel an habe, als die meisten Frauen hier. Das Publikum ist sehr gemischt. Man findet die Russin mit High-Heels, Leder-Mini und Leoparden-Top neben der coolen Szene-Gängerin, die genauso auch ins Berliner Weekend, in die Bar 25 oder ins Watergate passen würde.

Die Männer sind, wie immer hier, unauffällig. Ab und zu hat einer mal eine weiße Hose an oder ein sehr enges Oberteil. Sonst fallen sie eher durch ihr Benehmen auf, positiv und negativ. Gegen halb zwei wird es voll. Die Crowd tanzt glücklich und meint es ernst, in den anderen beiden Zimmern wird fleißig getrunken, alles ganz normal, alles, wie überall.

In die spannende Phase, in der alle „drüber“ sind, kommen wir nicht, wir gehen um halb drei, meine Begleiterin ist zu müde. Und vom Türsteher vor den Toiletten habe ich ja schon berichtet, argh!

Der Soljanka Club ist in der Soljanka-Straße, an der Metrostation Kitai-Gorod (China Town), mitten in der Innenstadt.

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Ewig kann man die Fassade des Rythm& Blues Club ankucken. Da hat sich jemand Mühe gegeben. Sie sind wunderbar bunt, die Bilder von David Bowie, den Beatles, den Rolling Stones, der russischen Bands Woskresenije oder Zeitmaschine, Depeche Mode, Jimi Hendrix …. Da ich mitten in der Woche da bin, finden Tanzstunden statt. Oben Modern Dance, unten wird Standart getanzt. Welche Tänze genau, weiß ich nicht, ich verzieh mich auf die Terrasse. Und das, obwohl seit Montag Herbst ist, ab Freitag soll aber wieder Sommer werden. Es ist ein bisschen windig, aber der Rhythm & Blues Club liegt geschützt in einem Hof und die Terrasse hat ein Plastikdach. Ich lasse mich in eins der weichen Sofata Sofestika Sofen Sofas fallen. Die Pasta al la Pesto sind sehr fettig, aber lecker und vor allem: gar nicht teuer!

Der Rhythm & Blues Club ist in direkter Laufnähe vom Kreml, hinter der Lenin-Bibliothek, zentraler geht’s gar nicht und trotzdem kostet mein Essen nur etwa 6 Euro.

Die Musik ist entspannend, die Kellnerin ist es nicht. Direkt nach dem Essen nimmt die kleine, extrem freundlich grinsende Frau mir den Teller weg und fragt, ob ich noch was will, obwohl ich noch was in meinem Weinglas habe. Ich sage nein und bekomme die Rechnung, nach der ich nicht gefragt habe. Ich bestelle später dann doch noch einen Wein. Sie nimmt die Rechnung wieder mit, bringt einen neuen Wein und eine neue Rechnung. Fragt dann aber wieder, ob ich JETZT noch was will, obwohl ich doch grade etwas bekommen habe. Ich will, dass sie geht. Damit sie das tut, bezahle ich. Friere noch ein bisschen mit meinem Buch und gehe. Wenn die Dame die ein oder andere Beruhigungspille nimmt, wird alles gut.

Der Rhythm & Blues Club ist an der Metrostation Lenin-Bibliothek, direkt hinter der Bibliothek.

1 Kommentar zu „Weggehen“

  1. ajgul sagt:

    Die Situation mit der Kellnerin kommt mir so bekannt vor)

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