Moskau. Die Longdrinks im FAQ sind wirklich long, aber auch breit, sie kommen nämlich in Bierhumpen.
Sie schmecken nach Grenadine und Kirschsaft, nicht zu süß und sind sehr alkoholisch. Die Burritos sollen lecker sein, sagt Mascha. Der erste Raum ist unspektakulär, aber gemütlich. Die Tische sind aus Holz, das Licht gedämmt. Auf der Couch sitzt eine Frau und schiebt sich mit der Gabel etwas in den Mund. Ihr Freund hat seinen Kopf auf ihren Schoß gebettet, sie balanciert den Teller mit der anderen Hand über seinem Gesicht, er hält die Augen geschlossen. Weiter »
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Datum: 28. Oktober 2009
Eigentlich sind wir müde. Gestern hat Alberts Schwester Aigul geheiratet, wir haben lange auf der Straße getanzt, mit einem Ghettoblaster und Sekt, haben gelacht, über uns, bis uns die Bäuche wehgetan haben. Haben Goran Bregovic gehört, vor dem Kar Marx-Denkmal Faxen gemacht, wenig geschlafen. „Willst Du mit ein paar Freunden von mir trinken?” hatte Albert mich trotzdem gefragt. „Ja.” Habe ich trotzdem gesagt. Ich bin zwar todmüde, aber nicht zum Schlafen hier. Es ist der Abend nach der Hochzeit, alle sind abgereist, nur Albert und ich sind übrig geblieben. Die anderen sind wieder in Moskau oder Kasan. Wir in Uljanowsk, an der Wolga.

Nach ein paar Stationen mit der Tram wir sind da, wo wir hin wollen. Das Haus ist eines aus der Chruschow-Ära, würde ich sagen, mit meinen rudimentären Architektur-Kenntnissen. Die Chruschtschow-Bauten sind größer als die Breschnew-Häuser. Ansonsten ähneln sie sich sehr in meinen westlichen Augen, Beton-Blöcke, viele Fenster. Weiter »
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Datum: 14. Oktober 2008
Freitagabend, wir gehen steil in Saratov. Anastasia und ich sitzen noch in einer Kneipe in der Fußgängerzone. Es ist ein nicht großer und nicht besonders schöner Raum mit Holzstühlen, einem klobigen Tresen, es gibt Bier vom Fass und Retro-Musik. Von Madonna bis Mr. Vain sind alle da. Anastasia trägt eine schwarze Jeans, ein weißes adidas T-Shirt und eine niedliche graue Stoffmütze, mit einem schwarzen Stern auf der Stirn. Sie hat lange, schwarze Haare und einen dunklen Teint.
Wir mussten den Tisch am Klo nehmen, weil alle anderen besetzt waren. Die Menschen, die aufs Klo gehen, kucken uns neugierig an. Auf unserem Tisch liegt ein Russisch-Deutsch/Deutsch-Russisch Wörterbuch. Anastasia redet langsam und simpel und ich schnell und falsch Russisch, wir verständigen uns trotzdem wunderbar und kichern permanent.
![IMG_2066[1]](http://static.flickr.com/3178/2852872367_47c23a3256_m.jpg)
„Ich hab gute Laune!“ sagt Anastasia und ihre Augen strahlen, obwohl sehr grüne Kontaktlinsen drin sind. Wir schnappen uns ein Taxi, fahren etwa 10 Minuten durchs dunkle Saratov und sehen dann die Menschen. Es sind etwa 50, sie alle wollen in den Club. Es ist keine Schlange, es ist ein Knäuel. Weiter »
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Datum: 13. September 2008
„Let´s go to a hot place.“ hatte Arslan gesagt. Jonty hatte gefragt: „What hot place, you mean like a Sauna?“Jonty erzählt uns davon, wie sein Kumpel mit ihm hatte ausgehen wollen, er ist Entertainer, wir sehen die Situation vor uns. Jonty macht den Arabisch-Russisch-Akzent nach: „No, no, very dry… and than the girls come.” Jonty dachte an Bekannte oder Freundinnen. “What makes them come?” “You call them… and

than you pay extra.” Wir sitzen in einer kleinen Wohnung nicht weit von Naltschiks Zentrum entfernt, trinken türkischen Kaffee, essen Baklava und lachen laut. Jonty ist US-Amerikaner, aber eigentlich Kabardine, oder umgekehrt. Vor etwa einem Jahr hat er angefangen, seine Wurzeln zu erkunden. Kabardinisch spricht er in New Jersey kaum, sehr selten, mit seinem Vater. Das Wohnzimmer, in dem wir sitzen, hat eine Freundin von ihm, Zaina gemietet. Sie ist auch Kabardinin, kommt allerdings aus Jordanien. Die Kabardinen sind überall, nur nicht in Kabardino Balkarien. Hier gibt es etwa eine Million, draußen, in der Diaspora, sind es vier Millionen. Sie sind in den USA, in Jordanien, in Syrien, in der Türkei und in Deutschland. In Deutschland? Ja, klärt mich Jonty auf, die meisten in Hannover. Weiter »
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Datum: 2. September 2008
„Kaschmarrrrrrrr!“ heißt Alptraum auf Russisch. Man kann es ständig benutzen. Meine Russisch-Lehrerin, Malvina (rechts), hat es ständig benutzt. Meist, um sich über meinen Mitstudenten, Scott aus Washington, lustig zu machen. Jedes Mal, wenn wir uns intensiv mit Russischer Grammatik beschäftigt haben, hat Scott schockiert gekuckt.

Dann hat sie es gesagt und ihn ausgelacht. „Schrecklich, nicht, Scott? Furchtbar, Kaschmarrrrr!“
Ich kenne wenigstens vier Fälle. Nominativ, Dativ, Genitiv, Akkusativ. Das ist doch schon mal was. Hier sinds zwei mehr, Instrumental und Präpositiv, na gut, hilft ja nix. Judit aus Ungarn ist die Beste, sie hatte Russisch jahrelang in der Schule und ihre Sprache ist ähnlich kompliziert. Weiter »
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Datum: 7. August 2008
“Nein, Russland ist natuerlich keine Demokratie… aber die USA auch nicht …und Europa auch nicht. Da berichten doch alle das Gleiche ueber Russland, wie kann das Pressefreiheit sein? … Ausserdem habt Ihr Berlusconi und Sarkozy…Putin hat viel Gutes fuer Russland getan…Ich hasse Putin natuerlich… aber Medwedew ist nichts gegen Putin…” Paul ist 29 Jahre alt und betrunken. Aber all das, was er sagt, ist nichts Neues, ich kenne diese Gespraeche, sie haben nichts damit zu tun, dass wir die dritte Flasche путинка
(Putinka Wodka) leeren. Ich kenne niemanden, der Putin wirklich “mag”. Es ist Respekt da, Respekt fuer seine Leistung, Stabilitaet herzustellen, nach den wirren Jelzin-Jahren. Die Wirtschaft waechst, die Renten sind gestiegen und die Welt hoert wieder zu, wenn Russland spricht. Und dann kommen die Westler, sagen immer das Gleiche. Es ist ermuedend. Den ganzen Abend haben wir rumgealbert, ueber Musik gesprochen, ueber Wodka, ueber uns, was wir so machen. Haben gespielt mit unseren Sprachen. Weiter »
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Datum: 28. April 2008
Macht Frauen trinken mehr Spaß, wenns bunt, elegant und süß ist? Ich weiß nicht.
Aber Marketing-Experten in Russland geben alles. Da gibt’s Wodka jetzt auch mit Limetten- Vanille- und Mandelgeschmack. Und nicht nur das, die Flaschen von “Дамская”, also “Damskaja”, sehen auch noch aus, wie überdimensionale Parfümflakons.
„Ab heute getrennte Wodka-Flaschen, Schatz! Ich lebe mein eigenes Leben.“
Aber was, wenn Männer und Frauen zusammen trinken wollen? Flaschenchaos auf dem Tisch? Oder interkultureller und -geschlechtlicher Austausch?
Gefunden hab ich das hier und da gibts noch mehr Schönes. Vielen Dank!
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Datum: 28. März 2008