“Störts Euch, wenn ich rauche?” fragt Sergej schüchtern. Er ist 23 und 50 Prozent der Rap-Gruppe „Defakta”. Die andere Hälfte ist sein Freund Maxim, er ist 22 und nippt an einem Humpen Bier. Wir sitzen im Restaurant Schesch Besch, mitten im Zentrum von Moskau. Hier gibt’s so genannte Mittelasiatische Küche, in diesem Fall sind damit Gerichte aus Usbekistan, Kasachstan, Turkmenistan und Kirgisien gemeint. Indisches, Pakistanisches und Tibetisches scheint auf der Speisekarte zu fehlen. Aber all das nur nebenbei.
Es soll hier ja um Rap aus Russland gehen. Und vor allem um die beiden Jungs, die ihn machen. Unter dem Interview mit Defakta, gibts auch noch ein Video, als Kostprobe. Weiter »
Kategorien: Die Zukunft Russlands, Popkultur |
Datum: 23. Oktober 2009
„Let´s go to a hot place.“ hatte Arslan gesagt. Jonty hatte gefragt: „What hot place, you mean like a Sauna?“Jonty erzählt uns davon, wie sein Kumpel mit ihm hatte ausgehen wollen, er ist Entertainer, wir sehen die Situation vor uns. Jonty macht den Arabisch-Russisch-Akzent nach: „No, no, very dry… and than the girls come.” Jonty dachte an Bekannte oder Freundinnen. “What makes them come?” “You call them… and

than you pay extra.” Wir sitzen in einer kleinen Wohnung nicht weit von Naltschiks Zentrum entfernt, trinken türkischen Kaffee, essen Baklava und lachen laut. Jonty ist US-Amerikaner, aber eigentlich Kabardine, oder umgekehrt. Vor etwa einem Jahr hat er angefangen, seine Wurzeln zu erkunden. Kabardinisch spricht er in New Jersey kaum, sehr selten, mit seinem Vater. Das Wohnzimmer, in dem wir sitzen, hat eine Freundin von ihm, Zaina gemietet. Sie ist auch Kabardinin, kommt allerdings aus Jordanien. Die Kabardinen sind überall, nur nicht in Kabardino Balkarien. Hier gibt es etwa eine Million, draußen, in der Diaspora, sind es vier Millionen. Sie sind in den USA, in Jordanien, in Syrien, in der Türkei und in Deutschland. In Deutschland? Ja, klärt mich Jonty auf, die meisten in Hannover. Weiter »
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Datum: 2. September 2008

Das Hotel Naltschik steht leer, vor allem die beiden Tschetschenien Kriege haben dafür gesorgt, dass die Touristen Angst haben, sich hier zu erholen und deswegen ausbleiben. Naltschik liegt ungefähr vier Autostunden von der Tschetschenischen Hauptstadt Grosny entfernt. Für Russland ist das so wenig, wie die 30 Kilometer von Berlin nach Potsdam, für uns. Weiter »
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Datum: 30. August 2008
Das Wasser ist tatsächlich braun. Nicht nur ein bisschen, leicht gefärbt, nein, tiefbraun. Das Wasser aus der Leitung, das, mit dem ich duschen will. Aber wenigstens habe ich Wasser. Mein Hotel in Rostow am Don ist ein Klischee. Es ist so ranzig und trostlos, als hätte es sich Jim Jamusch für einen seiner Filme ausgedacht. Oder als wäre ich in einem Film über Hemingway gelandet. Ich fühl mich wie Martha Gellhorn. Als ich klein war, wollte ich Martha Gellhorn werden. Na bitteschön. Es ist heiß und laut, draußen wird gebaut. Meine Balkontür ist offen, die kitschig gelb-blauen Vorhänge bewegen sich leicht, sie sind zugezogen, damit die Sonne nicht rein scheint. Die Frauen an der Rezeption – es sind fast immer drei – sind sehr verwundert über mich. Ausländer wohnen sonst im Radisson SAS, am Fluss. Ich bin die erste Ausländerin hier. Während ich die Check-in-Karte ausfülle, sieht eine von ihnen, dass ich aus Berlin komme. Sie murmelt: “Kommt aus Berlin und fährt nach Rostow am Don, eigenartig…“

An meinem zweiten Tag hier habe ich einen Interview-Termin mit dem Leiter einer Hilfsorganisation, der am Morgen aus Ossetien hier in Rostow eingetroffen ist. Alexandra, die mir den Termin organisiert hat, ruft mich an. Ich solle sofort zum Treffpunkt kommen. Wir fahren Taxi. Es ist so heiß im Taxi, dass Schweißtropfen aus meinen Kniekehlen laufen. Vor dem Büro der Organisation wartet Leonid, er ist mein Übersetzer, groß und breit, mit einer Glatze und einem warmen Lächeln. Auch Eduard, mein Gesprächspartner, ist sympathisch, um die 50, leicht ergrautes Haar. Seine Stimme ist leise, er spricht bedächtig. Klärt mich über die Arbeit der Halbstaatlichen Organisation “Alania-Ir“ auf. Eigentlich kümmern sich die Mitglieder um die Ossetische Kultur in Rostow, organisieren Theaterstücke und Konzerte. Jetzt bringen sie Lebensmittel und Toilettenpapier nach Nord-Ossetien, in die Flüchtlingscamps. Weiter »
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Datum: 16. August 2008
Georgien hat eine Waffenruhe verkuendet und Russland ist mit seinen Panzern aus Ossetien nach Zetralgeorgien vorgedrungen. Vielleicht, offenbar, man weiss es nicht genau. Sind die georgischen Truppen ganz abgezogen? Wie sieht es in der Sued-Ossetischen Hauptstadt Zchinwali aus? Werden die Osseten in ihre Staedte zurueckkehren koennen? Was wird Russland als naechstes tun? Wird alles noch schlimmer?
Der heisse Krieg ist vielleicht erstmal vorbei, der Medienkrieg noch lange nicht, der hat gerade begonnen. Denn wussten die meisten Menschen vor kurzem noch nicht mal, wer oder was Ossetien ist, wollen sie jetzt wissen, auf welcher Seite sie stehen sollen. Auf der des sympathischen “Westlers” Saakaschwili, der in die NATO will und waehrend der Olympischen Spiele eine Militaeroffensive gestartet hat? Oder auf der Seite Russlands, das seine Muskeln zeigt, einen Genozid verhindern wollte und nebenbei, dass Georgien auch nur irgendeine Chance hat, in die NATO zu kommen? Weiter »
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Datum: 11. August 2008
Es ist Krieg im Kaukasus und wir lesen, sehen und denken – nur was?
Sollte Georgien tatsächlich den Schatten der Weltwahrnehmung zur Eröffnung der Olympischen Spiele nutzen wollen, um Südossetien zu überrennen? Nimmt es dazu sogar das Risiko eines russischen Waffengangs in Kauf? Und was gewinnt Georgien mit einem eroberten, aber politisch und psychologisch nicht zu befriedenden Südossetien, das in einen Partisanenkrieg treiben könnte?
Den ganzen Kommentar der ZEIT, hier. Weiter »
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Datum: 10. August 2008
„Mit 10.000 Rubel bist Du der König von Abchasien!“ sagt Lena und lacht. „Na ja, zumindest war es extrem billig, als ich da war, vor drei Jahren.“ Sie zeigt mir Fotos von wunderschönen Wasserfällen – der Kleine heißt Träne des Mannes, der Große Träne der Frau. Die Strände sind leer, die Klöster haben beeindruckende Fresken, es gibt Höhlen und Stalins Datscha.

Wenn Gardjej größer ist, will sie wieder hinfahren. Gardjej schläft grade, er ist vier Monate alt und hat gestern mein Nachthemd voll gekotzt. Lena ist Timas Frau, Tima ist Arturs Bruder und bei Artur wohne ich. Wir trinken Kaffee, Tee und essen ununterbrochen Süßigkeiten. Gefüllte Waffeln, Kekse, Schokolade. Und wir reden. Unter anderem über den Krieg in Süd-Ossetien und Abchasien. Tima und Lena sagen, nach Sotchi kann man immer fahren, obwohl es quasi in Georgien liegt. Da sind so viele reiche Touristen, da sollen die Olympischen Spiele 2014 stattfinden und alle Politiker haben ihre Datschen dort. In Sotchi wird nichts passieren, dafür werden Putin und Medwedew, wenn nötig, persönlich sorgen. Ich glaub, ich will gar nicht nach Sotchi fahren. Weiter »
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Datum: 9. August 2008