Russia! auf Deutsch
Gott sei dank ist es mir in die Hände gefallen: ein neues Magazin über Russland. Ein Magazin, wie ich es nicht hätte besser machen können (höhö). Es ist stylish, zeigt wunderbare Fotos, hat Humor und vor allem keine Klischees, wie die Herausgeber selbst stolz schreiben:
„Russia! Macht überraschend wenig Gebrauch von populären sowjetischen Klischees, die man tausendfach lesen und hören kann. Ich denke es ist die erste je über Russland erschienene Publikation, in der Ballett, Leo Tolstoi oder Maria Schapowa unerwähnt bleiben…”
Im ersten Heft zeigen die Macher, wie es sich eine dreiköpfige Familie in Moskauers Stadtbezirk Swiblowo in einer Einzimmer Wohnung gemütlich gemacht hat. Der Schriftsteller Alexander Genis schreibt eine wunderbare Kolumne darüber, dass er selbst nach 30 Jahren New York noch immer seine Landsleute wieder erkennt.( „Niemand möchte einer Klasse angehören, die er nicht selbst gewählt hat…”). Es gibt ein liebevoll bebildertes Kochrezept für Krautwickel, eine Fotoserie aus der Stadt Komsomolsk am Amur und eine Reportage über das Bahnfahren in Russland. („Russland ist laut Ilya Merenzon 7 Tage breit und 14 Tage lang. Er liebt Zugreisen und dabei mit der Speisewagen-Bedienung zu flirten.”)
Wir lernen darin, was es an Bord russischer Züge so an Proviant gibt und mir wurde ganz wehmütig ums Herz, als ich die Fotos der Kekspackungen gesehen habe. Außerdem sehr spannend: Die Macher haben die Kerker von Iwan dem Schrecklichen gesucht und gefunden. Es geht um das Gewirr uralter unterirdischer Passagen und Wasserkanäle unter Moskau. Wir erfahren, was russische Kinder zum Frühstück essen (Reis mit Auberginencreme) und es wird über Homosexualität in Russland diskutiert („Einige Frauen leben tatsächlich drei oder vier Jahre ohne zu wissen, dass sie nicht die einzigen Lesben auf der Welt sind”). Es geht um Redefreiheit, Kunst, Popmusik und das Leben auf der Datscha (mit Modestrecke!). Kurz und gut: ich bin begeistert!
Allerdings fällt stark auf, dass viele (die meisten?) der Macher in den USA sitzen, eine deutsche Homepage gibt es leider auch noch nicht und ob es die Zeitschrift auch in Russland (Moskau?) gibt, weiß ich auch nicht. Vielleicht können meine Russischen Freunde mal am Kiosk nachfragen?
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12. Januar 2009 um 18:07 Uhr
Das Magazin ist eigentlich auf Englisch, die deutsche Ausgabe lediglich eine Übersetzung. Das hat mich auch davon abgehalten, es mehrmals zu kaufen. Seit wann brauchen die Deutschen die Übersetzung einer US-Zeitschrift, um sich über Rußland zu informieren?
Zudem habe ich bei der Auswahl der dortigen Autoren Bedenken: Frau Chruschtschowa kann sich schon in vielen anderen Publikationen verbreiten, da braucht es nicht auch noch diese.
12. Januar 2009 um 18:46 Uhr
Es ist allerdings schade, dass das Magazin in den USA gemacht wird. Allerdings habe ich nichts Ähnliches auf Deutsch jemals gefunden. Ja, informieren können wir uns genug. Aber unterhalten lassen?
In Form eines schönes Heftes, mit ansprechenden Fotos, Filmtipps, Kolumnen, Interviews und Internet-Diskussionen in russischen Foren?
Ich bin für jeden Hinweis über Vergleichbares aus Deutschland dankbar!!!!
15. Januar 2009 um 09:46 Uhr
Also mich haben besonders die “Speisekarte” mit Reiseproviant der russischen Bahn und der Bericht über das unterirdische Moskau fasziniert - letztere haben mich wieder um an Berlin erinnert….