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Jetzt ist es passiert!

Seit zwei Monaten – so lange bin ich schon in Russland – fürchte ich, dass es mir passieren würde, jetzt war es soweit. Der kleine Rustam hatte eine Stunde lang geweint und geschrieen. Wir hatten alles versucht. Ablenkungsmanöver gestartet („Uh, kuck mal da, eine Kuh!“), ihn in die Luft geworfen, ihn abgekitzelt, ihn versucht zu ignorieren, ihn an einem Zuckerspender lutschen lassen, nichts hat gewirkt, er schrie.

Dann endlich: Ruhe. Wir sind in einem Kindereinkaufszentrum, in dem Natascha Brei kaufen will. Rustam sitzt im Kindersitz des Einkaufswagens und freut sich, dass er durch die Gegend gefahren wird. Aber die Stille ist gefährdet, immer wieder sieht man ihm an, dass er noch nicht ganz zufrieden mit der Gesamtsituation ist. Während Natascha den richtigen Brei sucht und mit den Verkäuferinnen spricht, versuche ich den kleinen Mann aufzuheitern. Das tue ich, indem ich den Einkaufswagen – der relativ klein ist - drehe. Da wo Rustam sitzt, fange ich ihn wieder auf, beuge mich runter und mache BUH! Er lacht. Ich bin sehr vertieft in die Situation und heilfroh, dass er lacht und nicht weint. Sein Geschrei hat mir im Auto schon Kopfschmerzen bereitet. Ich drehe und drehe den Einkaufswagen und mache dabei mit Kinderstimme HUUUUIIII.

Der russischsprache Leser ist an dieser Stelle schon peinlich beruehrt. Weiter »

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Goldenes Naltschik

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Das Hotel Naltschik steht leer, vor allem die beiden Tschetschenien Kriege haben dafür gesorgt, dass die Touristen Angst haben, sich hier zu erholen und deswegen ausbleiben. Naltschik liegt ungefähr vier Autostunden von der Tschetschenischen Hauptstadt Grosny entfernt. Für Russland ist das so wenig, wie die 30 Kilometer von Berlin nach Potsdam, für uns. Weiter »

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Die 5-Rubel-Geranie

Wer sich mit dieser Geranie fotografieren moechte, muss 5 Rubel bezahlen. Steht auf dem Schild.

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Es handelt sich hier um die Gattung der 5-Rubel-Geranie. Sie waechst vor allem vor Blumengeschaeften mit eigenartigen Besitzern, ist aber sehr selten anzutreffen. Ich hatte zwar die Ehre, sie in Anapa zu finden, habe aber lediglich 5 Rubel bezahlt, um ein Foto vom Schild zu machen, auf dem steht, dass man 5 Rubel … Die Geranie ist nur zufaellig mit drauf.

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Ajup (12)

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Das ist der Style eines Kosaken aus Inguschetien. Ajup hat grade beim Kasatschok-Festival mit seinem Ensemble in der Kategorie “Choreografie” den ersten Preis gewonnen. Es gab nicht nur eine Urkunde, sondern auch Geschenke. Die Inguschetische Gruppe war wirklich grossartig. Das, was die rund 20 Taenzer und Taenzerinnen da gemacht haben, kann man vielleicht als eine Mischung aus dem Kosaken-Tanz den wir kennen, irischem River-Dance und Kampfsport bezeichnen. Mir faellt nichts Besseres ein. Aber Tanz beschreiben ist wie zu Architektur tanzen.

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“Ihr Arschnasen!”

Denke ich, während ich von innen an der Windschutzscheibe der Marschrutka (Mini-Bus) klebe. Ich muss nach vorne gebeugt stehen, weil die Decke hier zu niedrig zum Stehen ist, meine Hände suchen Halt am Armaturenbrett, rutschen immer wieder ab. Ich meine die Marschrutka-Fahrer, die Fahrgäste um mich herum und vor allem die Marschrutka-Fahrer, die diese Strecke nicht befahren. Zwei Busse habe ich schon wegfahren lassen, weil ich mich nicht mit Gewalt hineindrücken wollte. Der Wind ist kräftig, aber so heiß, als würde er direkt aus einem Föhn kommen, er bringt keine Abkühlung.

Hinter der Bushaltestelle erstreckt sich flaches, trockenes Land. Am Horizont stehen Neubauten. Eins wie das andere sehen sie aus wie deutsche Fertighäuser, bunt und steril, an manchen wird noch gebaut. Die Straße ist staubig. Die alten Frauen, die gegenüber selbst angebautes Obst und Gemüse verkaufen, haben zwar Schutz im Schatten eines kleinen Baumes gefunden, müssen sich aber alle paar Minuten mit einem Taschentuch den Staub und den Schweiß aus dem Gesicht wischen.

In den dritten Bus bin ich nun also eingestiegen, mit dem Wissen, dass ich anders hier nicht wegkomme, als mit ein bisschen Gewalt. Weiter »

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“Russian popmusic is like shit!”

…hat Kostja damals gesagt. Als ich dabei sein durfte, bei der Probe in einem Moskauer Hinterhof-Studio. Was sie geprobt haben, wer die Jungs sind, was sie sonst noch ueber Russische Musik gesagt haben, wie sie ohne T-Shirt aussehen und wie ihre Musik klingt: hier.  

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Otpusk heisst Urlaub

Das schwarze Meer tut was es soll, in der Sonne glitzern. Die Steine sind flach, so flach, dass man jeden einzelnen von ihnen auf dem Wasser springen lassen will und sie sind heiss. Rechts ein Berg und links ein Berg dazwischen wir und unser Entertainment. Schachlik-Staende, eine kleine Quad-Bahn, eine Huepfburg, laute Musik, ein Kiosk – der ganz normale Strand-Wahnsinn also. Das eigentlich aussergewoehnliche ist meine Unterkunft hier, ich wohne naemlich in der Sowjetunion.

Strand klein

Das Kinder-Zentrum, in dem ich Obdach gefunden habe, ist etwa 30 Autominuten von Anapa entfernt. Es gibt ein Sportstadion, sehr viele, flache Wohnbaracken, Pinien, einen eigenen Strand einen kleinen Kaufmannsladen und den Essenssaal. Fruehstueck um acht, Mittag um eins, Abendbrot um sieben. Puenktlich stuermen alle in den Saal, jede Kasatschok-Festival-Gruppe hat ihren eigenen TIsch. Drauf stehen schon viele kleine Teller, mit Lebensmitteln drauf. Man kommt sich vor, wie einer der sieben Zwerge, nur dass hier rund 200 Zwerge essen und laermen. Weiter »


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