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Ich kann die Zugdurchsagen hören, wenn ich einschlafe, wenn ich aufwache. Es scheint immer die gleiche Frau zu sein, ich verstehe nicht, was sie sagt. Wenn sie mich um sechs das erste Mal weckt, riecht es schon nach Herbst. Um zehn dann nicht mehr, die Sonne hat den schmutzigen Asphalt erhitzt und es ist wieder Sommer. Wenn ich aus dem Fenster kucke, sehe ich die russischen Farben, weiß, rot, blau. Weiß, blau, rot, sie beleuchten nachts die Brücke. Darunter stehen die Züge. Ich wohne im Bahnhof. Es heißt Komnata Otechat, Erholungszimmer und ist billig, eine Art Youth Hostel für Erwachsene, duschen kostet extra. Unten, vor meinem Fenster, gehen die Männer in einer dunklen Ecke urinieren, weil sie denken, dass sie niemand sieht. Ich rauche aus dem Fenster und sehe sie. Weiter »
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Datum: 9. September 2008
Immer, wenn ich Menschen in Russland nach gutem Russischen Rock frage, tauchen die gleichen Bandnamen auf, egal, in welchem Teil des Landes ich frage. DDT höre ich da, Maschina Wremeni (Zeitmaschine), Woskresenije (Auferstehung), Naiv, Kino und viele mehr. All diese Bands gibt’s schon ewig, sie sind Legenden in Russland. Wieso kennt sie kaum jemand im Westen, wenn doch das größte Land der Welt sie quasi einmütig liebt?
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Ich werde diese Bands hier in unregelmaessigen Abstaenden, mit kleinen Audio-Beiträgen, vorstellen. Das wird übrigens in keiner bestimmten Reihenfolge passieren, weder nach Gründungsdatum noch alphabetisch, sondern, wie ich Lust habe.
Sie spielen harten Rock/Und wir mit unseren großen Ohren/verteilen rosa Unsinn/ Vor den Augen ganz Europas/Vor den Augen des ganzen Planeten/Martern wir unsere gläubige Seele DDT, Kompromiss, 1983
Rock`n Roll kam Ende der 50er langsam aus dem Westen in die Sowjetunion. Weiter »
Kategorien: Popkultur |
Datum: 8. September 2008
Komme nichts ahnend in Wolgograd an und dann wird geschossen. Ach, nicht schon wieder, denke ich. War aber nur ne Geburtstagsfeier, Wolgograd wird 419. Herzlichen Glueckwunsch!
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Es ist wunderschoen hier: Altbauten, nette Cafes und Bars, eine schoene Innenstadt, Parks und – natuerlich – die Wolga. Weiter »
Kategorien: Gesehen und gemacht |
Datum: 7. September 2008

Ein Besuch beim berühmtesten Maler Kabardino Balkariens, Ruslan Tsrymov, zum Hören und Sehen.
Der Gebäudekomplex ist nichts besonderes, er ist einer von den 60er oder 70er Jahre Betonblöcken, die man in Russland überall sieht. Meist U-förmig, mit einem Spielplatz im Hof. Das Atelier dagegen ist etwas, das ich in Russland so noch nicht gesehen habe. Hinter der Schwelle

beginnt ein anderer Kosmos. Der Raum ist ordentlich, auf einem Pult liegen Pinsel und Farben, überall stehen Statuen und Installationen, unter der Decke beherbergt eine praktische Holzkonstruktion die unzähligen Leinwände. Es gibt einen

Schreibtisch und eine Couch. Nichts ist zu viel oder zu wenig hier, alles ist da, wo es hingehört.
Nataschas Freundin Zalina ist die Tochter von Ruslan Tsrymov, deswegen darf ich hier sein. Sie sitzt neben mir und übersetzt mir aus dem Kabardinischen. Man fühlt, dass hier etwas geschaffen wird, der Raum strahl Kreativität, Reflektion, Gedanken und Wärme aus. Weiter »
Kategorien: Popkultur |
Datum: 4. September 2008

Max studiert Publizistik in Rostow am Don, ich hab ihn da vor McDonalds getroffen. Er traegt Chucks, eine Jeans von Diesel und das T-Shirt hat er auf einer deutschen Homepage bestellt, kann sich aber nicht mehr erinnern, wie die hiess. Was Leck mich heisst, weiss er, Deutsch spricht er aber nicht. Die Tasche hat er seinem Vater abgeknoepft.
Kategorien: Style |
Datum: 3. September 2008
„Let´s go to a hot place.“ hatte Arslan gesagt. Jonty hatte gefragt: „What hot place, you mean like a Sauna?“Jonty erzählt uns davon, wie sein Kumpel mit ihm hatte ausgehen wollen, er ist Entertainer, wir sehen die Situation vor uns. Jonty macht den Arabisch-Russisch-Akzent nach: „No, no, very dry… and than the girls come.” Jonty dachte an Bekannte oder Freundinnen. “What makes them come?” “You call them… and

than you pay extra.” Wir sitzen in einer kleinen Wohnung nicht weit von Naltschiks Zentrum entfernt, trinken türkischen Kaffee, essen Baklava und lachen laut. Jonty ist US-Amerikaner, aber eigentlich Kabardine, oder umgekehrt. Vor etwa einem Jahr hat er angefangen, seine Wurzeln zu erkunden. Kabardinisch spricht er in New Jersey kaum, sehr selten, mit seinem Vater. Das Wohnzimmer, in dem wir sitzen, hat eine Freundin von ihm, Zaina gemietet. Sie ist auch Kabardinin, kommt allerdings aus Jordanien. Die Kabardinen sind überall, nur nicht in Kabardino Balkarien. Hier gibt es etwa eine Million, draußen, in der Diaspora, sind es vier Millionen. Sie sind in den USA, in Jordanien, in Syrien, in der Türkei und in Deutschland. In Deutschland? Ja, klärt mich Jonty auf, die meisten in Hannover. Weiter »
Kategorien: Gesehen und gemacht |
Datum: 2. September 2008
Internet sei dank, könnt Ihr jetzt dieses traditionelle Kabardinische Lied starten und beim Hören, lesen und Fotos kucken.
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„Die Frauen tragen Schuhe, die aussehen, wie Stühle.“ „Stühle?“ „Ja, kuck!“ Wir sitzen vor dem Fernseher und schauen und Musikvideos an. In der Sendung kann man seinen Lieben mit Musik zum Geburtstag gratulieren. „Der dicke Mann da hat Geburtstag.“ Sagt Natscha, als ein Bild von ihm eingeblendet wird.
Danach sehen wir wieder die Frauen mit den Stuhl-Schuhen. Die Schuhe haben keinen Absatz, sondern sind plateauartig, überall gleich hoch. Die Frauen tragen lange, meist weiße, Kleider, bewegen sich majestätisch zur Musik, mit erhobenem Haupt. Ihre Arme schweben elegant in der Luft. Weiter »
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Datum: 1. September 2008