Es ist Krieg im Kaukasus und wir lesen, sehen und denken – nur was?
Sollte Georgien tatsächlich den Schatten der Weltwahrnehmung zur Eröffnung der Olympischen Spiele nutzen wollen, um Südossetien zu überrennen? Nimmt es dazu sogar das Risiko eines russischen Waffengangs in Kauf? Und was gewinnt Georgien mit einem eroberten, aber politisch und psychologisch nicht zu befriedenden Südossetien, das in einen Partisanenkrieg treiben könnte?
Den ganzen Kommentar der ZEIT, hier. Weiter »
Kategorien: Gesehen und gemacht |
Datum: 10. August 2008
„Mit 10.000 Rubel bist Du der König von Abchasien!“ sagt Lena und lacht. „Na ja, zumindest war es extrem billig, als ich da war, vor drei Jahren.“ Sie zeigt mir Fotos von wunderschönen Wasserfällen – der Kleine heißt Träne des Mannes, der Große Träne der Frau. Die Strände sind leer, die Klöster haben beeindruckende Fresken, es gibt Höhlen und Stalins Datscha.

Wenn Gardjej größer ist, will sie wieder hinfahren. Gardjej schläft grade, er ist vier Monate alt und hat gestern mein Nachthemd voll gekotzt. Lena ist Timas Frau, Tima ist Arturs Bruder und bei Artur wohne ich. Wir trinken Kaffee, Tee und essen ununterbrochen Süßigkeiten. Gefüllte Waffeln, Kekse, Schokolade. Und wir reden. Unter anderem über den Krieg in Süd-Ossetien und Abchasien. Tima und Lena sagen, nach Sotchi kann man immer fahren, obwohl es quasi in Georgien liegt. Da sind so viele reiche Touristen, da sollen die Olympischen Spiele 2014 stattfinden und alle Politiker haben ihre Datschen dort. In Sotchi wird nichts passieren, dafür werden Putin und Medwedew, wenn nötig, persönlich sorgen. Ich glaub, ich will gar nicht nach Sotchi fahren. Weiter »
Kategorien: Gesehen und gemacht |
Datum: 9. August 2008
„Kaschmarrrrrrrr!“ heißt Alptraum auf Russisch. Man kann es ständig benutzen. Meine Russisch-Lehrerin, Malvina (rechts), hat es ständig benutzt. Meist, um sich über meinen Mitstudenten, Scott aus Washington, lustig zu machen. Jedes Mal, wenn wir uns intensiv mit Russischer Grammatik beschäftigt haben, hat Scott schockiert gekuckt.

Dann hat sie es gesagt und ihn ausgelacht. „Schrecklich, nicht, Scott? Furchtbar, Kaschmarrrrr!“
Ich kenne wenigstens vier Fälle. Nominativ, Dativ, Genitiv, Akkusativ. Das ist doch schon mal was. Hier sinds zwei mehr, Instrumental und Präpositiv, na gut, hilft ja nix. Judit aus Ungarn ist die Beste, sie hatte Russisch jahrelang in der Schule und ihre Sprache ist ähnlich kompliziert. Weiter »
Kategorien: Gesehen und gemacht |
Datum: 7. August 2008
Alexander Solschenizyn ist tot. Das kam heute morgen per SMS, für mich zumindest. Geh raus und sprich mit Jugendlichen über Gulags, das war der Auftrag. Da bin ich nun also, in der Moskauer Innenstadt und will reden.

Gar nicht so einfach, manche lassen mich einfach stehen, manche sagen gar nichts, manche erinnern sich nicht daran, was sie in der Schule über Gulags gelernt haben. Ein paar sagen dann doch was – wie das klang, kann man hier hören.
Kategorien: Die Zukunft Russlands |
Datum: 4. August 2008
in Moskau. Wir stehen unter Itar Tass. Das Logo der Nachrichtenagentur hilft uns beim trocken bleiben. Es regnet nicht, es schüttet. Der Wind schmeißt uns Wasser ins Gesicht, ich höre Apparat. Elektronische Musik aus Deutschland. Vika hat mir ihren Sennheiser Kopfhörer aufgesetzt. Wir rauchen rote Chesterfield und glotzen in den Regen, wie er unten ankommt, wie er den Asphalt unter Wasser setzt, wie die Blasen tanzen. Ein Pärchen neben uns albert rum, sie trägt ein dünnes lila Kleid und friert.
Vika macht neuerdings Yoga und spricht über Spiritualität, ich schiebe den Kopfhörer von einem Ohr weg, um ihr zuzuhören. Unsere Haare kleben an unseren Köpfen. Weiter »
Kategorien: Gesehen und gemacht |
Datum: 3. August 2008
Da wär ich gern dabei gewesen: Duzende Emo- und Gothic-Kids haben am Wochenende in der sibirischen Stadt Krasnojarsk demonstriert. Sie protestierten gegen Pläne der Distrik-Verwaltung, zu verbieten, im Emo- oder Gothic-Style zur Schule zu kommen. Weiter »
Kategorien: Die Zukunft Russlands, Popkultur |
Datum: 30. Juli 2008
kann man ja auch, wenn man schon weg gegangen ist.
Während mein neuer Ministerpräsident mit harschen Worten dafür sorgt, dass die Aktien der Firma Mechel durch seine Worte in den Keller fallen, gehe ich aus. Gott sei dank, brauche ich kein Rohmetall und bin kein Oligarch.

Der Türsteher vor dem Club „Soljanka“ kann wirklich sehr böse kucken. Trotzdem lässt er alle rein und der lustige, kleine Mann, der die Taschen kontrolliert fragt mich, ob ich Champagner in meiner habe. Nein, nur Bücher. Er wundert sich nicht darüber und lässt mich rein. Hab vergessen die Tasche nach der Schule zu leeren und führe jetzt meine Russisch Lehrbücher mal richtig hip aus, in einen der coolsten Clubs der Stadt.
Meine Begleiterin erzählt mir, dass sie in nur drei Electro-Clubs geht in Moskau und das ist ihr Liebster. Ihr Ex-Liebster hat vor kurzem geschlossen. Der Club hat Holzfußboden, soll aber angeblich alles 1A Schall gedämmt sein. Wir sind von rohem Mauerwerk umgeben, über der Bar hängen riesige, runde 70er Jahre Lampen. Auf den Festerbrettern kann man sitzen, es gibt den einen oder anderen Tisch mit Stuhl, in diesem Raum, aber sehr rar gesät, hier soll getanzt werden. Noch legt der DJ für drei leicht mit der Hüfte wippende Frauen in wenig Textil auf. Und uns. Wir sitzen auf dem Fensterbrett und versuchen uns zu unterhalten. Nebenbei versuche ich außerdem Fotos zu machen, ohne, dass es einer der Sicherheitsfuzzis merkt. Fotografieren ist hier nicht erlaubt. Weiter »
Kategorien: Popkultur |
Datum: 29. Juli 2008