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Oksanas Welt

pink

Der Flur ist Pink und das, obwohl Oksana Pink hasst, Pink ist für glamourni-girls und Hello-Kitty-Tussen. „Und, warum hast Du ihn dann pink gestrichen?” „Ich weiß es nicht, wirklich! Vielleicht, um meine Freunde zu verwundern. Sie haben mich gefragt, ob ich krank bin, als sie den Flur gesehen haben, das fand ich lustig!”Ich bin in Samaras Indie-Künstler-Welt gelandet, bei Oksana. Sie entwirft Kleidung. Bis jetzt noch für ihre Freunde, wie das immer so ist.

Wir sitzen in der Küche und trinken Kaffe, drei schwarze Katzen leben hier und der Mann hinter der Wand. In der ist ein großes Loch, weil irgendein Kabel da durch musste und niemand sich die Mühe gemacht, es richtig zu verlegen.

küche

„Budjesch Koffe?” (Willst Du Kaffee?”) fragt Oksana durch das Loch. Der Mann hinter der Wand will, es rumpelt, ich höre Schritte. „Hallo!” sagt er „Ich bin Andrej.” Wir finden uns alle auf Anhieb sympathisch, ich liebe die kleine Wohnung schon nach wenigen Minuten und nach ein paar Stunden kann ich auch die Katzen auseinander halten. Joda ist dick und faul, Frostja hat einen weißen Fleck auf der Brust und ist zickig und Stella ist schwanger und extrem verschmust.

Nach Sankt Petersburg würde Oksana am liebsten ziehen, da sind alle Künstler, Designer, Musiker.„Hast Du

wand

hier keine Freunde, die Künstler sind?” „Nein… na ja, einer ist Filmemacher…und zwei Fotografen… und ein paar meiner besten Freunde machen Musik, in Bands…” Also doch.

In den ersten Stunden meiner Anwesenheit klügelt Oksana ein Kultur-Programm aus. Fotoausstellung, Indie-Rock-Konzert, Probe einer befreundeten Band, Bier trinken im Rock- Café, bald ist auch ein Kwartirniki.

Ihre Wände sind mit Notenblättern tapeziert, Freunde haben sie jeweils bei sich in den Betrieben kopiert und sind jeden Tag mit riesigen

klavier

Stapeln zu Oksana gekommen. Das Klavier ist nur eine Ablage und stand schon vorher in der Wohnung, den Boden hat sie schwarz lackiert, die Vorhänge selbst genäht. Während wir uns unterhalten

stickt sie ohne Unterbrechung an einem Bilderrahmen in braun und rot Tönen. Andrej isst ein bisschen Brot und Käse und muss dann zur Arbeit, er ist Programmierer. Seine Eltern habe eine Wohnung für die beiden gekauft, in zwei Wochen ziehen sie zusammen, erzählt Oksana und verzieht den Mund. Sie will eigentlich gar nicht so richtig raus, aus ihrer kleinen süßen Künstler-Wohnung.

koschek

Mein erster Tag in Samara ist ein Hänger-Tag, wir hören interessante Instrumental-Musik, trinken Kaffe, rauchen, quatschen. Obwohl wir uns erst seit ein paar Stunden kennen, haben wir ununterbrochen gemeinsamen Text. Sie zeigt mir Fotos von ihrem Abchasien-Urlaub und ich muss wissen, wie man da am besten hinkommt. Diese Berge, das Meer, die Flüsse, es sieht unglaublich aus! Ihre Lieblings-Band ist Incubus, aber die alten russischen Rock-Helden liebt sie auch. Wir hören Nautilus Pampilius, die Katzen prügeln sich. Die Kleidung, die sie näht, ist aus Naturmaterialien, Hanf, Leinen. Andrej muss immer raten, wie viele Nähte so ein Kleidungsstück hat und sie kennt dafür den Unterschied zwischen HTML und Javascript.

Abends besuchen wir eine Fotoausstellung, von Oleg, einem ihrer Freunde. Er hat abgefahrene Bilder von Samara gemacht, das Wolgaufer, verfallene Häuser, ein altes Schwimmbad mit Grünstich. Wir sind nur zu sechst, im ersten Stock des altmodischen Programm-Kinos. Oleg ist schüchtern, will aber trotzdem wissen, wie es uns denn nun gefällt. „Kruto!” (Cool) sagt

padwall

Oksana. Danach gehen wir ins Padwall (Keller), eine Rock-Bar. Es läuft Limp Bizkit, an den Wänden hängen wieder Bilder von Rock-Bands, direkt vor mir leider die Scorpions, die mir eine unangenehme Gänsehaut verursachen, aber hier sind sie beliebt.

Oksana und Andrej erzählen mir, wie sie sich kennen gelernt haben. Im Winter, beim Eisbaden in der Wolga. Er hat Fotos gemacht, die Oksana dann haben wollte. Nach einer Woche ist er bei ihr eingezogen, weil in seiner Wohnung seine Schwester und ihr Mann wohnen, die wiederum auf ihr Appartement warten, das noch gebaut wird. „Als der Computer dann auch bei Oksana war, war ich richtig umgezogen. Früher war der Computer mein Leben, jetzt ist Oksana mein Leben, aber der Computer muss schon in der Nähe sein!” sagt Andrej.

2 Kommentare zu „Oksanas Welt“

  1. Chips sagt:

    >> „Als der Computer dann auch bei Oksana war, war ich richtig
    >> umgezogen. Früher war der Computer mein Leben, jetzt ist
    >> Oksana mein Leben, aber der Computer muss schon in der Nähe
    >> sein!”

    I knew that you will remember this phrase :)

  2. Diane sagt:

    GIRLS!

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