Kabardino Balkarien zum Fühlen
Internet sei dank, könnt Ihr jetzt dieses traditionelle Kabardinische Lied starten und beim Hören, lesen und Fotos kucken.
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„Die Frauen tragen Schuhe, die aussehen, wie Stühle.“ „Stühle?“ „Ja, kuck!“ Wir sitzen vor dem Fernseher und schauen und Musikvideos an. In der Sendung kann man seinen Lieben mit Musik zum Geburtstag gratulieren. „Der dicke Mann da hat Geburtstag.“ Sagt Natscha, als ein Bild von ihm eingeblendet wird.
Danach sehen wir wieder die Frauen mit den Stuhl-Schuhen. Die Schuhe haben keinen Absatz, sondern sind plateauartig, überall gleich hoch. Die Frauen tragen lange, meist weiße, Kleider, bewegen sich majestätisch zur Musik, mit erhobenem Haupt. Ihre Arme schweben elegant in der Luft.
Zu den Kostümen gehören Schleier und hohe Kopfbedeckungen. Die Männer tragen schwarz/weiße Anzüge mit militärisch wirkenden Applikationen und bewegen ihre Beine schneller. Schwarz und weiß schweben elegant nebeneinander, greifen ineinander, sind verschieden, aber gehören zusammen. Das ist Kabardinischer Tanz. Die Mehrheit in Kabardino Balkarien stellen die Kabardiner, sie machen rund 42 Prozent im Land aus.
Nur rund 13 Prozent der Bevölkerung hier ist Balkarisch. Die Balkaren leben vor allem in den Bergen, in kleinen Dörfern, haben weniger Geld, weniger Prestige, als die Kabardiner.
Im März 1944 hat Stalin fast alle Balkaren aus ihrem Land vertrieben. Innerhalb einer Nacht wurden Tausende von ihnen deportiert. Der Vorwurf lautete, sie hätten mit den deutschen Faschisten sympathisiert, paktiert, sich gefreut, als Hitlers Armee in Russland einfiel. Balkaren seien Partisanen.
Mit Viehwaggons wurden sie aus ihrem Land gebracht. Diese Geschichten sind bekannt, von den Tataren bis zu den Russlanddeutschen, koennen viele sie erzaehlen. Unzaehlige Balkaren starben auf dem Weg nach Kasachstan, sie bekamen kein Wasser, keine Nahrung, die Luft war knapp, es herrschte unerträgliche Hitze. Am 28. März 1957 (waehrend der Entstalinisierung) durften sie zurückkehren. Der Vater von Nina, Nataschas Tante, war einer der Fahrer, der sie damals in und auf ihr Land gebracht hat. Er hat gesehen, wie die Balkaren den Boden gekuesst haben.
Kein Wunder, er ist wunderschön, der Boden der Balkaren.
Wir fahren mit Olegs Auto durch die tiefen Schluchten der Kaukasischen Berge. Über uns türmen sich unglaubliche Steinmassen, es sieht aus, als müssten sie gleich auf die Straße niederfallen. Die Flüsse sind mal reißend und gewaltig, braun, grau. Mal seicht und schwach, blau, weiß. Die Berge um uns sind grün und unglaublich hoch. Ab und zu, am Straßenrand steht eine kleine, eher provisorisch wirkende Moschee. Kühe versperren uns den Weg. Die Balkaren versuchen hier Geld zu verdienen, viele Möglichkeiten dazu haben sie nicht. Es gibt ein paar Cafés, mit wunderbarem Blick auf ihr Land, allerdings verlaufen sich nur ganz selten Besucher zu ihnen, Touristen gibt es hier leider kaum.
Die Bewohner der Bergdörfer verkaufen Ziegenkäse in der Stadt oder Wollsocken und Pullover an den Wasserfällen, Messer oder kleine Holzfiguren. Es sind komische Zusammenhänge, die hier entstehen. Unter anderem, weil Krieg in Tschetschenien war, haben die Balkaren wieder nichts. Ihre - russische - Regierung hat sie wieder im Stich gelassen, nicht für Frieden und Ruhe gesorgt.
Danach nicht dabei geholfen, dass sich die Region entwickeln kann. Russland kennt kein Mittelmaß, zuerst zu viel Staat, jetzt keiner mehr.
Aber Balkaren und Kabardiner bekämpfen sich nicht. Sie leben friedlich nebeneinander, zusammen mit den Russen, die ungefähr 35 Prozent hier ausmachen. „Was bleibt ihnen auch übrig?“ sagt Natascha pragmatisch. Vielleicht ist es das. Die offiziellen Schilder sind hier in Russisch, Kabardinisch und Balkarisch verfasst und es gibt Nachrichten in allen drei Sprachen.
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2. September 2008 um 14:32 Uhr
Jetzt mag ich zwei Erzählerinnen, die tolle Geschichte über Kaukasus zu erzählen wissen, - Natascha und Diane. Sei vorsichtig: das Lied über Elbrus lässt sich nicht so einfach loswerden. =)