Jetzt ist es passiert!
Seit zwei Monaten - so lange bin ich schon in Russland - fürchte ich, dass es mir passieren würde, jetzt war es soweit. Der kleine Rustam hatte eine Stunde lang geweint und geschrieen. Wir hatten alles versucht. Ablenkungsmanöver gestartet („Uh, kuck mal da, eine Kuh!“), ihn in die Luft geworfen, ihn abgekitzelt, ihn versucht zu ignorieren, ihn an einem Zuckerspender lutschen lassen, nichts hat gewirkt, er schrie.
Dann endlich: Ruhe. Wir sind in einem Kindereinkaufszentrum, in dem Natascha Brei kaufen will. Rustam sitzt im Kindersitz des Einkaufswagens und freut sich, dass er durch die Gegend gefahren wird. Aber die Stille ist gefährdet, immer wieder sieht man ihm an, dass er noch nicht ganz zufrieden mit der Gesamtsituation ist. Während Natascha den richtigen Brei sucht und mit den Verkäuferinnen spricht, versuche ich den kleinen Mann aufzuheitern. Das tue ich, indem ich den Einkaufswagen - der relativ klein ist - drehe. Da wo Rustam sitzt, fange ich ihn wieder auf, beuge mich runter und mache BUH! Er lacht. Ich bin sehr vertieft in die Situation und heilfroh, dass er lacht und nicht weint. Sein Geschrei hat mir im Auto schon Kopfschmerzen bereitet. Ich drehe und drehe den Einkaufswagen und mache dabei mit Kinderstimme HUUUUIIII.
Der russischsprache Leser ist an dieser Stelle schon peinlich beruehrt.
Als ich aufkucke, sehe ich, wie mich eine der Verkäuferinnen schockiert - ja entsetzt! - anschaut, da wird mir klar, was ich da gesagt habe. „Hui“ ist auf Russisch ein sehr sehr grober Ausdruck für das männliche Geschlechtsorgan und ein schlimmes Schimpfwort. Schweigend und betreten fahre ich mit Rustam durch die Gänge, weg von der Verkäuferin. Natascha kommt hinterher und hat nichts mitgekriegt, Rustam übrigens auch nicht, er ist ja erst ein Jahr alt. Oder er hat alles verstanden und deswegen so herzhaft gelacht.
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3. September 2008 um 11:16 Uhr
ich habe auch herzhaft gelacht! ))))