Ismus war verboten
Ein Besuch beim berühmtesten Maler Kabardino Balkariens, Ruslan Tsrymov, zum Hören und Sehen.
Der Gebäudekomplex ist nichts besonderes, er ist einer von den 60er oder 70er Jahre Betonblöcken, die man in Russland überall sieht. Meist U-förmig, mit einem Spielplatz im Hof. Das Atelier dagegen ist etwas, das ich in Russland so noch nicht gesehen habe. Hinter der Schwelle
beginnt ein anderer Kosmos. Der Raum ist ordentlich, auf einem Pult liegen Pinsel und Farben, überall stehen Statuen und Installationen, unter der Decke beherbergt eine praktische Holzkonstruktion die unzähligen Leinwände. Es gibt einen
Schreibtisch und eine Couch. Nichts ist zu viel oder zu wenig hier, alles ist da, wo es hingehört.
Nataschas Freundin Zalina ist die Tochter von Ruslan Tsrymov, deswegen darf ich hier sein. Sie sitzt neben mir und übersetzt mir aus dem Kabardinischen. Man fühlt, dass hier etwas geschaffen wird, der Raum strahl Kreativität, Reflektion, Gedanken und Wärme aus.
Ruslan bereitet seinen Kaffee auf Sand zu. Eine Elektroplatte, mit Sand darauf, wird erhitzt. Die kleinen Metallkannen mit dem Kaffeepulver, dem Zucker und dem Wasser stellt er in den Sand. Es dauert zwar eine Weile, bis der Kaffee heiß genug ist, das Warten lohnt sich aber.
Ich bekomme einen Stapel Bücher, mit seinen Arbeiten und bin sofort begeistert. Die Farben, die Arrangements, die verschiedenen Stile.
Franz Marc, Klimmt, Frida Kahlo, Picasso, Dürer, Kandinsky, es ist, als hätten sie alle zusammen gesessen und Kabardinische Mythologie zu Kunst gemacht. Das auf meinen Knien sind seine frühen Werke, sie sind zu Sowjetzeiten entstanden. Ruslan Tsrymov hat es geschafft, zu Sowjetzeiten Kunst zu schaffen, die nicht auf Parteilinie lag, er hat trotzdem eine Familie durchgebracht und war dabei immer in erster Linie Kabardine und nicht Sowjetbürger.
Mehr zu seiner Philosophie und seinem Leben, hört Ihr in meinem Audiobeitrag.
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Mehr von Ruslan Tsrymov, hier.
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