Fontäne-Stadt
Bevor ich diesen wunderbaren Ort hier verlasse und mich Richtung Süden aufmache, will ich Euch Belgorod noch zeigen.
Hier leben etwa 500.000 Menschen und es gibt fast so viele Fontänen, jeden Tag kommt eine dazu. Das hat Lena gesagt. „Du wachst hier morgens auf, läufst durch die Stadt und - huch - schon wieder eine.“ Die neuste Fontäne ist bunt und spielt Musik, während sie Wasser spuckt.
Heiraten macht in Belgorod besonders Spaß, offenbar. Da stellt man sich dann vors Theater oder in den Park und lässt sich fotografieren. Ich hab am Samstag innerhalb von einer halben Stunde etwa zwölf Ehepaare gesehen, die das getan haben, diese Zahl ist nicht übertrieben.
Man kann auch Tauben mieten. Die wirft man in die Luft, macht ein Foto und dann kommen sie wieder in den Käfig. Jedes frisch vermählte Paar muss sieben Brücken überqueren, zu Fuß. Damit hält man den Verkehr auf, aber niemand beschwert sich. Schließlich geht es um die Zukunft dieses Paares. Wer diese sieben Brücken schafft, wird eine lebenslange, glückliche Ehe haben.
Und was ist, verglichen damit, schon ein bisschen Stau im Stadtzentrum?
In Belgorod kann man am Ozean wohnen. Zu Sowjetzeiten hat es ein Fisch-Geschäft gegeben, das Ozean hieß. Die Bushaltestelle wurde deswegen Ozean genannt. Mittlerweile ist dort ein Möbel-Geschäft drin, aber die Bushaltestelle heißt immer noch so und die Menschen, die dort wohnen, sagen: ich wohne am Ozean.
Oder man wohnt einfach, wie Lena und Tima, in einem Plattenbau.
Kinder spielen auf alten Panzern und im Zentrum kann man alle 100 Meter neue Handys kaufen. Die Blumenbeete sind strikt gepflegt, Frauen rutschen auf den Knien rum und zupfen Unkraut und es gibt tatsächlich eine Pizzeria hier, in der man nicht rauchen darf, verrückt.
Artur sagt, nur Asoziale sitzen im Park und trinken Bier. Ich sage, junge Leute, die kein Geld für eine Kneipe haben sitzen im Park und trinken Bier. Die Mädchen haben zwar alle ein bisschen sehr wenig an, aber sonst sehen die doch alle ganz normal aus.
Wir spazieren durch den abendlichen Park, Artur, seine Mama und ich.
„In Deutschland trinkt niemand Bier auf der Straße.“ sagt Artur. „Ja natürlich und alle sind glücklich und reich. Pss pss“ Ich zeige ihm, dass er näher ran kommen soll, dann flüstere ich: „Ich trinke in Berlin auch Bier auf der Straße“ „NEEEIIIN!“ Wir lachen. Seine Mama wundert sich über uns. Artur sagt: „Berlin ist nicht Deutschland.“ „Ja, und Moskau ist nicht Russland. Aber in Hamburg trinkt man auch Bier auf der Straße.“
Arturs Mama will nach München, weil sie einen Brieffreund dort hat. Ich will nicht nach München, ich will nach Rostow am Don. Meine Fahrkarte habe ich schon.
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12. August 2008 um 10:41 Uhr
Hey, Diane. Geht’s Dir gut?
Klingt so. Du bringst mir Russland wieder näher, wie mein Erdkundelehrer damals (aka Karl May des Ostblocks).
Keep the movement!
Dicke Küsse.
Nico