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Echter Russischer Film

In der modernen Musik aus Russland ist die russische Seele verloren gegangen. Die ach so unendlich und unbeschreiblich große russische Duscha, die nicht zu vergleichen ist, mit der englischen Soul oder der deutschen vogelschSeele. Dass sie weg ist, sagen auch die Musiker selbst, mit denen ich gesprochen habe.  Egal, ob Rock, Metall, Jazz oder Hip Hop, es ist alles Westen. In der Musik ist das passiert, was russische Patrioten schon immer befürchtet haben, der Westen hat das größte Land der Welt überrollt.

Bei der Literatur ist das dem Westen nicht gelungen. Die literarische Stimme meiner russischen Lieblingsautorin Ljudmilla Ulitzkaja zum Beispiel ist russisch und weiblich, tragisch, melancholisch, so weit wie das Land und so laut wie seine Hauptstadt. Die Geschichten können nur in Russland spielen, in den beengten sowjetischen Kommunalkas, den Gemeinschaftswohnungen. Es riecht nach Gurken in Salzlake, Dissidenten trinken, um für unzurechnungsfähig erklärt zu werden und Frauen lügen, um zu bekommen, was sie wollen oder opfern sich für ihre Mitmenschen auf, bis sie selbst nur noch eine Hülle sind.

Jetzt habe ich die russische Seele auf Leinwand gesehen. Im Programm Conflicts, das im Moment beim Kurzfilmfestival Interfilm in Berlin gezeigt wird. Die Jungs, die den Chinesen verprügeln, sind das Produkt der rassistischen Gesellschaft um sie herum. Die Landschaft und die verfallenen Produktionshallen sind genauso Helden des Kurzfilms, wie der Chinese, der eigentlich aus Usbekistan kommt. Der Film Modified Landscapes von Philipp Yuryev ist ein durch und durch russischer Film. Auch die beiden Soldaten, die zur Sondereinheit „Goat” gehören, können fluchen, wie es nur die Russen können. Der Film, der im Tschetschenien-Krieg spielt, bleibt zwar oberflächlich und unpolitisch, aber er ist zumindest Produkt der eigenen Umgebung, der eigenen Geschichte.

Die Filmen zeigen gute Ideen mit echten russischen Menschen, in echten russischen Welten. Eine davon besteht aus der Einsamkeit eines kleinen Jungen in einer der vielen unendlich scheinenden Einöden Russlands. Er befreundet sich mit der Vogel-Scheuche und beweist dabei, dass es auch beeindruckende Kinder-Schauspieler in Russland gibt.

Der Fotograf, der seine Kundin in seinem kleinen Container-Geschäft einschließt, überrascht uns und sorgt dafür, dass ein Raunen durch den Kinosaal geht und der kleine animierte Mann, der sich in einen echten Filmstar verliebt, bewegt unser Herz. Der ist in seiner kleinen Romanze definitiv von Hollywood inspiriert worden, aber ich sage ja nicht, dass Russland aufhören soll, sich vom Westen befruchten zu lassen. Ich weiß nur, dass die russische Seele tatsächlich so unbeschreiblich ist, dass es jedweder Kunst bedarf, um sie für das Westliche Publikum zum klingen zu bringen.

Das Programm Conflikts wird im Zuge des Interfilm Kurzfilmfestivals noch einmal am 7. November gezeigt, um 22 Uhr im Babylon Mitte, Kino 2. Das ganze Programm von Interfilm findet Ihr hier.

Noch mehr russische Filme gibt’s in Berlin dann bei der Russischen Filmwoche, ab dem 25. November 2009 - mehr dazu ist dann natürlich auch hier zu finden.

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