Die Frau mit der Peitsche
„Kaschmarrrrrrrr!“ heißt Alptraum auf Russisch. Man kann es ständig benutzen. Meine Russisch-Lehrerin, Malvina (rechts), hat es ständig benutzt. Meist, um sich über meinen Mitstudenten, Scott aus Washington, lustig zu machen. Jedes Mal, wenn wir uns intensiv mit Russischer Grammatik beschäftigt haben, hat Scott schockiert gekuckt.
Dann hat sie es gesagt und ihn ausgelacht. „Schrecklich, nicht, Scott? Furchtbar, Kaschmarrrrr!“
Ich kenne wenigstens vier Fälle. Nominativ, Dativ, Genitiv, Akkusativ. Das ist doch schon mal was. Hier sinds zwei mehr, Instrumental und Präpositiv, na gut, hilft ja nix. Judit aus Ungarn ist die Beste, sie hatte Russisch jahrelang in der Schule und ihre Sprache ist ähnlich kompliziert.
Aber Scott versteht nicht mal, warum man überhaupt konjugieren muss. I go, you go, we go. Wozu „mir ist kalt“ sagen, wenn man doch „I am cold“ sagen kann? „Ja Cholodna“ heißt aber „ich bin kalt“, Scott. Ich bin eine kalte Person, ich habe kein Herz. Wenn ich friere, muss ich doch den Dativ benutzen. Malvina grinst, viel und oft. Er leidet. Sie ist erbarmungslos. Beim Rauchen sagt er mir, dass er jetzt schon eine Domina-Peitsche gekauft hat für sie, als Abschiedsgeschenk.
Ich liebe Malvina, sie ist eine großartige Lehrerin, schnell, lustig, streng. Wenn ich schon wieder wissen will was „genug“ heißt, steht sie auf, verdreht die Augen und sagt: „ I dont`t know, how many times, I already wrote that word for you!“ Sie hat Recht, deswegen merke ich mir jetzt endlich, dass „genug“ „dostatitschna“ heißt, ein für alle mal.
Natascha ist ruhiger, langsamer, zuckersüß, lieb, aber keine so gute Lehrerin. Sie hat zu viel Geduld, behandelt uns manchmal, als wüssten wir gar nichts. Wenn sie das Russische Wort für „sehen“ benutzt, greift sie sich an die Augen. Das ist nicht das Problem, wir wissen seit Langem, was „sehen“ heißt. We have to move on. Es ist verwirrend hier, wenn Englisch nicht die Muttersprache ist. Wir übersetzen Texte vom Russischen ins Englische, meine Notizen sind deutsch. Trotzdem ist der Unterricht ein Riesen Spaß. Manchmal sind wir zu zweit, dann auf einmal zu sechst. Luka ist für einen Tag zu Besuch, er kommt aus Italien ist lustig und nervt mich gleichzeitig ungemein. Natascha fragt: „Was ist wichtiger, Liebe oder Geld?“ Sie will eine russische Konversation anschieben, ist erfolgreich dabei, jeder antwortet auf Russisch. Ich sage, wenn mich eine Fee fragt, ob ich eine Million Euro will, oder den Mann, den ich liebe, wähle ich den Mann. Geld verdienen kann ich alleine. Luka sagt, dass Liebe das einzig Wichtige ist blablabla. Sein Geschwafel macht mich aggressiv. Irgendwann wird die Diskussion so hitzig, dass wir ins Englische verfallen. Ich ranze ihn an: „…but I don`t have to choose, I can earn money and be in love!“
Scott sagt zu mir in der Pause: ”You wanted to bite his head off, didn`t you?” Ich grinse.
Dann wird gefeiert in der Schule. Zufällig Abschiedsparty für mich, meine vier Wochen sind um, heute war mein letzter Tag. Es riecht nach Kognak in den Unterrichtsräumen. Ich bekomme mein Zertifikat, muss was sagen, sage „ Pajechele!“. Das heißt: lasst uns gehen und ist ein Trinkspruch. Das hat Juri Gagarin gesagt, damals. Der Turm zu Babel ist umgekippt. Türken sprechen Russisch, Deutsche Englisch, Russen Deutsch, Amis Russisch. Wir trinken, rauchen, reden. Wird Obama gewinnen? Wie lernt man Arabisch? Wo isst man gut in Moskau? Wo gibt’s jetzt noch Bier?
Schreib mir, sagt Marvina und ist betrunken, ihre Wangen leuchten rot. Natscha wird nicht mehr mit dem Auto nach Hause fahren. Sie schnippt mit den Fingern an ihren Hals, das ist das Zeichen für „betrunken sein“ (oder “trinken”) in Russland. Pianaja, weiblich, Singular.
Und guenstig ist die Schule auch - fuer Moskauer Verhaeltnisse, alles, immer fuer Moskauer Verhaeltnisse! Zum Lernen: hierher.
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7. August 2008 um 13:23 Uhr
Hey Diane,
beste Grüße aus Berlin und ich wollte Dir eine Nachricht zukommen lassen und Dir etwas zuschicken. Schick mir doch bitte deine aktuelle E-Mail Adresse an hwiese@arcor.de. Besten Dank und weiterhin viel Spass wünscht Heiko
7. August 2008 um 15:48 Uhr
“Sie hat Recht, deswegen merke ich mir jetzt endlich, dass „genug“ „dostatitschna“ heißt”
hihi, im polnischen ist das einfacher, da sagt man einfach doschtscht. das ist wie dostatitschna im schraubstock.
8. August 2008 um 08:20 Uhr
Diane! ich brauche auch Deine Mail-Adresse!!!
Lese hier immer fleißig, aber nun will ich auch mal wieder schreiben!
Schickst Du?
Küsse