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Diaspora drinking

„Let´s go to a hot place.“ hatte Arslan gesagt. Jonty hatte gefragt: „What hot place, you mean like a Sauna?“Jonty erzählt uns davon, wie sein Kumpel mit ihm hatte ausgehen wollen, er ist Entertainer, wir sehen die Situation vor uns. Jonty macht den Arabisch-Russisch-Akzent nach: „No, no, very dry… and than the girls come.” Jonty dachte an Bekannte oder Freundinnen. “What makes them come?” “You call them… and

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than you pay extra.” Wir sitzen in einer kleinen Wohnung nicht weit von Naltschiks Zentrum entfernt, trinken türkischen Kaffee, essen Baklava und lachen laut. Jonty ist US-Amerikaner, aber eigentlich Kabardine, oder umgekehrt. Vor etwa einem Jahr hat er angefangen, seine Wurzeln zu erkunden. Kabardinisch spricht er in New Jersey kaum, sehr selten, mit seinem Vater. Das Wohnzimmer, in dem wir sitzen, hat eine Freundin von ihm, Zaina gemietet. Sie ist auch Kabardinin, kommt allerdings aus Jordanien. Die Kabardinen sind überall, nur nicht in Kabardino Balkarien. Hier gibt es etwa eine Million, draußen, in der Diaspora, sind es vier Millionen. Sie sind in den USA, in Jordanien, in Syrien, in der Türkei und in Deutschland. In Deutschland? Ja, klärt mich Jonty auf, die meisten in Hannover.

Er und Zaina haben sich hier in Naltschik kennen gelernt, obwohl sie ein paar Jahre in den USA studiert hat und die Kabardinische Gemeinde eigentlich sehr eng verwoben ist, sie haben in Jersey sogar gemeinsame Freunde. Zaina ist Journalistin für ein Kulturmagazin in Amman und schreibt hier ein Buch über die Kabardinische Mythologie, es ist fast fertig.

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Jonty arbeitet an einem Kabardinischen Lehrbuch, das man auf Englisch, Russisch, Arabisch und Deutsch benutzen kann, für Gleichgesinnte in der Diaspora. Er zeigt mir eine Liste Kabardinischer Wörter und wie sie konjugiert und gebeugt werden. Auf einmal finde ich Russisch gar nicht mehr so schwer. Da Kabardinisch ursprünglich nicht geschrieben, sondern nur gesprochen wurde, werden jetzt, aus der Not heraus, kyrillische Buchstaben benutzt. Jontys Vater spricht zwar fließend Kabardinisch, kann aber das kyrillische Alphabet nicht lesen.

Wir verabreden uns für Abends, Jonty will in seinen Geburtstag feiern, er wird 31. Ein paar Stunden später fährt uns sein Freund Timor im Auto durch das nächtliche Naltschik. Irgendwo außerhalb, in mitten eines dunklen Feldes, tauchen plötzlich bunt erleuchtetet Häuser auf, ein Hotel und mehrere Restaurants. Es sieht ein bisschen aus wie Disney World für Erwachsene, mit Tanzfläche, plätschernden Teichen und Tischen. Wir bekommen ein kleines Separee, mit bunten Kissen, draußen tanzen Russen zu arabisch anmutender Musik. Jonty, Zaina, Abdulla, Timor und ich bestellen Geflügel-Schaschlik, Salat und einen Wein, der Seele heißt. Die Jungs erzählen Witze.

„Die Balkaren haben China den Krieg erklärt…“ sagt Jonty, alle lachen. Stopp, sage ich, das ist schon lustig genug. Wir erinnern uns, die Balkaren machen in dieser ohnehin winzigen Republik nur rund 13 Prozent aus. „I know, but it gets better.“ China schickt einen Botschafter nach Kabardino Balkarien, der trifft sich mit dem Anführer der Balkaren und will reden. Sie wissen schon, dass wir 5 Billionen Menschen in China sind? Sind sie sicher, dass sie Krieg wollen? fragt der Botschafter. Ach, sagt der Balkare, wirklich? Hm. Das wussten wir nicht. Er bittet den Botschafter zu warten und berät sich mit seinen Kumpels. Sie diskutieren, holen noch ein paar mehr Balkaren dazu, reden und reden. Sie müssen entschuldigen, sagt der Balkarische Rädelsführer, wir überlegen grade, wo wir 5 Billionen Menschen begraben können.

Das Essen ist lecker, ich knabbere an einem kleinen, gut gewürzten Wildhuhn. Zwei weitere junge Männer kommen dazu, sie sprechen kein Englisch, Arslan und Mohammed. Da bin ich grade soweit, dass ich Small Talk auf Russisch führen kann, befinde mich aber trotzdem wieder an einem Tisch, an dem ich kein Wort verstehe, weil Kabardinisch gesprochen wird. Jonty und Zaina übersetzen sporadisch.

Um 12 singt die internationale Delegation Jonty ein Lied, es werden salbungsvolle Toasts gesprochen. Die Macht, die ihn hierher, zurück auf seine Muttererde, gebracht hat, möge ihm dabei helfen, dafür zu sorgen, dass die Kabardinische Sprache nicht ausstirbt. Um eins gehen Arslan, Mohammed und Jonty.

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Zaina, Abdulla und ich werden noch von Madina bewirtet, ihr gehört das Restaurant, die drei sind befreundet. Madina stellt zwei Flaschen Wein auf den Tisch, Wodka, Cola, Wasser und drei Packungen Zigaretten. Während die Mädchen auf Kabardinisch reden, philosophieren Abdulla und ich auf Englisch über die Welt. Er kommt auch aus Jordanien, ist Kabardine und studiert hier Medizin. Religiös sei er nicht, sagt er und schenkt Wodka für Madina und sich ein. Zaina und ich sind beim Wein geblieben.

Abdulla will nach Kanada auswandern, eines Tages. „Jordanien ist doch Scheiße,“ sagt er, „überall Krieg.“ Wir bauen zusammen eine kleine Middle East-Karte auf dem Tisch auf. Der Teller hier ist Saudi-Arabien, das Teelicht Jordanien, das Glas Orangensaft spielt den Irak, Israel wird ein Weinkorken und Syrien durch das Wodka-Glas vertreten. „Halt,“ sage ich, „Libanon fehlt!“ Abdulla greift in den Salat und legt ein winziges Stück Gurke schräg neben das Wodka-Glas. Großes Gelächter.

„Weißt Du, was Abdulla heißt?“ Während ich überlege, antwortet Zaina: „Sklave Gottes“ „Yeah, my parents made a mistake!“ sagt Abdulla und trinkt sein Wodka-Syrien-Glas leer. Noch größeres Gelächter.

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