0 »

Das ё – der Wal des kyrillischen Alphabets

IMG_1319

Ein Denkmal für einen Buchstaben, schöne Sache das. Gibts in Uljanowsk, an der Wolga. Da hat der Gouverneur Sergej Morosow angeordnet: alle Beamten haben in offiziellen Dokumenten wieder das ё zu benutzen, es darf nicht sterben, rettet das ё! Die Krux mit diesem Buchstaben ist, dass man ihn eigentlich nicht zwingend braucht, man kann genauso gut einfach eлка (jolka) schreiben, wenn man Weihnachtsbaum meint. Eigentlich und korrekt heißt es ёлка. Aber wenn es schon so viele tolle Buchstaben gibt im kyrillischen Alphabet, dann sollte man als Nutzer auch keinen verschwenden, hat sich Morosow offenbar gedacht und einen Stein aufgebaut. Er sieht aus – Ihr seht`s – wie ein größerer Grabstein, ё einfach reingefräst, fertig.

Es gibt auf der Welt viel zu wenige Denkmäler für Buchstaben (oder?), in Deutschland hat das ß eins verdient, hat meine Freundin Aigul vorgeschlagen. Ein paar von meinen Freunden, hier in Berlin, wollen ein Genitiv-Denkmal errichten, auch schön. Es gibt bestimmt genug Künstler und Architekten, die sich auf diese Ausschreibung freuen würden.

Aber Herr Morosow ist sowieso eine Kanone unter den Gouverneuren, er hat sich nämlich auch den Tag der Empfängnis ausgedacht. Um das Aussterben der Russen zu verhindern, soll man an einem bestimmten Tag Sex haben, wer neun Monate später sein Kind bekommt, bekommt außerdem eine Waschmaschine. Ich hab keine und schon überlegt. Aber ich bin ja keine Russin. Man kann nicht alles haben.

Kommentieren