Archiv für die Kategorie „Popkultur“

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Saudis in Samara

Eine Bandprobe in Samara zum Hoeren.

Es wird langsam dunkel, der Herbst-Wind schiebt Laub vor unsere Füße, Russland ist jetzt grade, wie es sein muss, wie ich es am meisten liebe. Kalt, grau, melancholisch. Wir sind an der Metro-Station Moskowskaja ausgestiegen. Die U-Bahn in Samara sieht exakt aus wie die Moskauer Metro, die großen Säulen, die Zeitanzeigen an den Tunneleingängen, die Züge. Nur, dass das Metro-Netz hier aus nur neun Stationen besteht, noch. Überall in der Stadt sieht man Baustellen, das sind die zukünftigen Metrostationen.

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Arctic Editor-Thermals

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Der Club heißt Mond aus Papier, was auf Deutsch poetischer klingt, als Papier-Mond, finde ich. Es geht nach unten, in den Keller. Oksana liebt diesen Club, hier gibt’s immer Rock und heute auch Freibier, zumindest, solange der Vorrat reicht. Um uns Mauerwerk, die Bar ist rot, Tische stehen gedeckt im Raum, an den Wänden und der Decke hängt Kunst.

Hinten ist ein VIP-Raum, den man schließen kann, vorne ein VIP-Tisch der aussieht wie der Korb eines Gasluftballons.

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Drei Indie-Rock-Bands aus Samara spielen um acht. Noch ist aber Sound-Check und sieben. Oksana und ich sitzen im hinteren Raum, der Boden leuchtet, Barbies liegen drin. Ich hab uns Tee bestellt.

„Was für eine ungewöhnliche Wahl.” Sagt Oksana, „Ich hab Dich noch nie Tee trinken sehen.” Zu diesem Zeitpunkt kennen wir uns grade etwa 36 Stunden, von denen wir 10 geschlafen haben. Ihr fällt es auch auf. „All die Jahre…und ich hab Dich nie Tee trinken sehen!” Weiter »

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Oksanas Welt

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Der Flur ist Pink und das, obwohl Oksana Pink hasst, Pink ist für glamourni-girls und Hello-Kitty-Tussen. „Und, warum hast Du ihn dann pink gestrichen?” „Ich weiß es nicht, wirklich! Vielleicht, um meine Freunde zu verwundern. Sie haben mich gefragt, ob ich krank bin, als sie den Flur gesehen haben, das fand ich lustig!”Ich bin in Samaras Indie-Künstler-Welt gelandet, bei Oksana. Sie entwirft Kleidung. Bis jetzt noch für ihre Freunde, wie das immer so ist. Weiter »

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Teil 1 – Maschina Wremeni

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Wie angekuendigt, hier der erste Teil.

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Glamourni Facekontrol

Freitagabend, wir gehen steil in Saratov. Anastasia und ich sitzen noch in einer Kneipe in der Fußgängerzone. Es ist ein nicht großer und nicht besonders schöner Raum mit Holzstühlen, einem klobigen Tresen, es gibt Bier vom Fass und Retro-Musik. Von Madonna bis Mr. Vain sind alle da. Anastasia trägt eine schwarze Jeans, ein weißes adidas T-Shirt und eine niedliche graue Stoffmütze, mit einem schwarzen Stern auf der Stirn. Sie hat lange, schwarze Haare und einen dunklen Teint.

Wir mussten den Tisch am Klo nehmen, weil alle anderen besetzt waren. Die Menschen, die aufs Klo gehen, kucken uns neugierig an. Auf unserem Tisch liegt ein Russisch-Deutsch/Deutsch-Russisch Wörterbuch. Anastasia redet langsam und simpel und ich schnell und falsch Russisch, wir verständigen uns trotzdem wunderbar und kichern permanent.

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„Ich hab gute Laune!“ sagt Anastasia und ihre Augen strahlen, obwohl sehr grüne Kontaktlinsen drin sind. Wir schnappen uns ein Taxi, fahren etwa 10 Minuten durchs dunkle Saratov und sehen dann die Menschen. Es sind etwa 50, sie alle wollen in den Club. Es ist keine Schlange, es ist ein Knäuel. Weiter »

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Russische Rockgeschichte

Immer, wenn ich Menschen in Russland nach gutem Russischen Rock frage, tauchen die gleichen Bandnamen auf, egal, in welchem Teil des Landes ich frage. DDT  höre ich da, Maschina Wremeni (Zeitmaschine), Woskresenije (Auferstehung), Naiv, Kino und viele mehr. All diese Bands gibt’s schon ewig, sie sind Legenden in Russland. Wieso kennt sie kaum jemand im Westen, wenn doch das größte Land der Welt sie quasi einmütig liebt?

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Ich werde diese Bands hier in unregelmaessigen Abstaenden, mit kleinen Audio-Beiträgen, vorstellen. Das wird übrigens in keiner bestimmten Reihenfolge passieren, weder nach Gründungsdatum noch alphabetisch, sondern, wie ich Lust habe.

Sie spielen harten Rock/Und wir mit unseren großen Ohren/verteilen rosa Unsinn/ Vor den Augen ganz Europas/Vor den Augen des ganzen Planeten/Martern wir unsere gläubige Seele DDT, Kompromiss, 1983

Rock`n Roll kam Ende der 50er langsam aus dem Westen in die Sowjetunion. Weiter »

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Ismus war verboten

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Ein Besuch beim berühmtesten Maler Kabardino Balkariens, Ruslan Tsrymov, zum Hören und Sehen.

Der Gebäudekomplex ist nichts besonderes, er ist einer von den 60er oder 70er Jahre Betonblöcken, die man in Russland überall sieht. Meist U-förmig, mit einem Spielplatz im Hof. Das Atelier dagegen ist etwas, das ich in Russland so noch nicht gesehen habe. Hinter der Schwelle

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beginnt ein anderer Kosmos. Der Raum ist ordentlich, auf einem Pult liegen Pinsel und Farben, überall stehen Statuen und Installationen, unter der Decke beherbergt eine praktische Holzkonstruktion die unzähligen Leinwände. Es gibt einen

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Schreibtisch und eine Couch. Nichts ist zu viel oder zu wenig hier, alles ist da, wo es hingehört.

Nataschas Freundin Zalina ist die Tochter von Ruslan Tsrymov, deswegen darf ich hier sein. Sie sitzt neben mir und übersetzt mir aus dem Kabardinischen. Man fühlt, dass hier etwas geschaffen wird, der Raum strahl Kreativität, Reflektion, Gedanken und Wärme aus. Weiter »


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