Archiv für die Kategorie „Gesehen und gemacht“

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Samstagnachmittag

in Moskau. Wir stehen unter Itar Tass. Das Logo der Nachrichtenagentur hilft uns beim trocken bleiben. Es regnet nicht, es schüttet. Der Wind schmeißt uns Wasser ins Gesicht, ich höre Apparat. Elektronische Musik aus Deutschland. Vika hat mir ihren Sennheiser Kopfhörer aufgesetzt. Wir rauchen rote Chesterfield und glotzen in den Regen, wie er unten ankommt, wie er den Asphalt unter Wasser setzt, wie die Blasen tanzen. Ein Pärchen neben uns albert rum, sie trägt ein dünnes lila Kleid und friert.

Vika macht neuerdings Yoga und spricht über Spiritualität, ich schiebe den Kopfhörer von einem Ohr weg, um ihr zuzuhören. Unsere Haare kleben an unseren Köpfen. Weiter »

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Moskau – wie es sich anfühlt

Katharina die Große wollte ja immer Amüsemang.

Unter anderem hat sie sich dafür in Moskau einen Garten bauen lassen. In dem sollte es nie langweilig sein und damit das auch der letzte Blödmann versteht, hat sie ihn „Nicht langweiliger Garten“ genannt. Ne Skutschni S(ß)ad.

Das heißt, wie wir ja wissen, nicht, dass Schlampen keinen Zutritt haben oder dass dort kein Gebäck verzehrt werden darf. Man möge sich dort bitte lediglich amüsieren, möglichst gut. Das tat ich, mit zwei Freunden. Von denen weiß ich dass es mal einen Christian aus München gab. Der kannte nicht den Unterschied zwischen den beiden russischen „S“. Das zweite wird gesprochen, wie ein „ß“. Und Christian hat immer „nicht langweiliger Po“ gesagt, statt Garten.

Wir saßen da nun also auf unseren Sads, im ßad, tranken Bier und sie erzählten mir, dass sie nicht zur Wahl gegangen sind, um Medwedew zu wählen. Sie hatten nämlich verschlafen, den ganzen Tag, weil sie die Nacht durchgefeiert hatten. Aber wählen in Russland macht sowieso keinen Spaß und außerdem wird Hedonismus hier überhaupt noch klein geschrieben, sagen sie. Ich weiß noch gar nicht, wie Hedonismus hier geschrieben wird. Die Sonne geht unter, an der Moskwa gehen die Lichter der Bars an, die Brücke leuchtet grün. Weiter »

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…weil wir so romantisch sind

Es kann einem in Moskau nicht passieren, dass man durch die Straßen läuft und denkt: „Hm, sone Rose wär jetzt schön oder eine Margerite…“ und keine findet. Diese Stadt ist voll von Blumenläden, beziehungsweise Blumenkiosken. Kleine bunte Boxen, gefüllt mit prächtigen Bouquets, geschmückt mit bunten Folien, Schleifen, Schleierkraut. Rosen mit so langen Stielen und so großen Blüten, dass man Angst bekommt. Ja, Blumenläden sind toll, nie würde ich was gegen Blumenläden sagen, ich bin ja kein Unmensch, aber so viele!?

Blumenkioske

Sollte man tatsächlich mal Bedürfnisse haben, die über das Blumenkaufen hinausgehen, muss man manchmal länger suchen, als nach Tulpen („Hm, jetzt eine Flasche kaltes Wasser!“, „Hm, jetzt eine Zigarette.“).

Hier ein besonders schöner Schnappschuss, da er gleich zwei Blumenläden nebeneinander zeigt (Zweti)

Eine kleine Umfrage unter meinen russischen Bekannten hat ein wenig Licht ins Dunkel gebracht. Weiter »

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Von Schlampen und Gebäck

Sprache ist super. Das ist dann wohl der zweite Teil einer Serie über Sprachmissverständnisse und -witze. Ich bin mir sicher, es werden viele folgen.

Es ist meine erste Russischstunde, der zweite Gruppenteilnehmer, Scott, hat für heute abgesagt, ich bin mit Marvina allein. Sie ist jung und schön, unglaublich witzig, aufgeweckt und meine Lehrerin. Wir versuchen auf Russisch zu plaudern, ich mache Fehler, aber deswegen bin ich ja hier. Wir sammeln Adjektive und sprechen über eins meiner Lieblingsthemen: Musik. Wie kann Musik sein? Laut, leise, langsam, traurig, fröhlich, blöd und… ich denke nach…starre sie an…dann fällt mir noch eine Vokabel ein: SUSCHKI!

Das Lachen bricht aus ihr heraus, Marvina wirft den Kopf nach hinten, schreit, kichert, schlägt auf den Tisch, wischt sich Tränen aus den Augen vor Lachen, legt den Kopf auf den Tisch, bekommt sich nicht mehr ein. Ich kann noch nicht lachen und warte, bis es vorbei ist. Weiter »

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Kreml-Monster

Kaum eine Woche da, hab ich schon einen super touristischen Insider-Tipp, sollte jemand mit dem Gedanken spielen, demnächst mal nach Moskau zu fliegen. Ich darf nämlich Zeuge einer Hostel-Neueröffnung sein.

wanja1

Eigentlich wollte ich mit Wanja Bier trinken, einfach so, irgendwo. Aber nein, mit Wanja kann man nicht still sitzen, quatschen, entspannen. Er ist Manager eines Hostels auf der Arbat, der Touri-Meile von Moskau. Und nebenbei hat er, heimlich, mit seinem Kumpel Miroslav ein eigenes Hostel eröffnet, es soll “Kremlin” heißen, also Kreml. Ständig klingelt sein Telefon. Er geht nicht, er rennt, er redet nicht, er schreit. Jeder seiner Sätze endet mit einem Ausrufezeichen. Weiter »

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der gute Geschmack

in Moskau wohnt wo? Na? Na? In meinem neuen Viertel. Weiter »

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Ankunft

Es ist heiß in Moskau, überall wird gebaut. Die Metro ist immer voll, zu Stoßzeiten mehr, aber sonst eigentlich auch. Und das, obwohl alle paar Sekunden ein Zug kommt. Die Türen schließen mit einem dröhnenden Knall, der Zug fährt ab. Für etwa eine Sekunde ist der Bahnsteig leer, dann ströhmen sie wieder herbei, die Moskauer, aus den anderen Linien, von draußen. Es sind drei Sekunden vergangen und überall sind Menschen. vier-fünf-sechs- man hört den nächsten Zug kommen – sieben – man sieht ihn – acht Sekunden: er ist da. Das Spiel geht von vorne los, der Knall. Sitzt man drin, ist es so laut, dass man sich selbst nicht denken hören kann, der Zug stößt einen hin und her, wirft Omas von den Füßen, weil er abrupt bremst, riecht nach Kabelbrand, Staub und Geschichte. Mit diesen Bahnen, auf diesen Strecken, sind die Menschen schon gefahren, um sich 1953 von Stalin zu verabschieden. Davon lese ich, während ich drin sitze, Ljudmila Ulitzkaja, “Reise in den siebten Himmel”. Und so fühle ich mich, in der Moskauer Metro, wie im Himmel. Neben mir ein mongolischer Gastarbeiter, ganz sicher hat er kein Arbeitsvisum. Vor mir eine dicke Frau mit Bart, an der Tür ein küssendes Pärchen. Sie ist wunderschön, ganz in Lila gekleidet, jung, stylish. Er trägt seine Jeans ein bißchen zu weit unten, ihr gefällts. Gelächelt wird in der Moskauer Metro eigentlich gar nicht. Mir gefällts. Warum, weiß ich nicht, Liebe lässt sich nicht erklären und wer will das schon? Weiter »


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