Das Wasser ist tatsächlich braun. Nicht nur ein bisschen, leicht gefärbt, nein, tiefbraun. Das Wasser aus der Leitung, das, mit dem ich duschen will. Aber wenigstens habe ich Wasser. Mein Hotel in Rostow am Don ist ein Klischee. Es ist so ranzig und trostlos, als hätte es sich Jim Jamusch für einen seiner Filme ausgedacht. Oder als wäre ich in einem Film über Hemingway gelandet. Ich fühl mich wie Martha Gellhorn. Als ich klein war, wollte ich Martha Gellhorn werden. Na bitteschön. Es ist heiß und laut, draußen wird gebaut. Meine Balkontür ist offen, die kitschig gelb-blauen Vorhänge bewegen sich leicht, sie sind zugezogen, damit die Sonne nicht rein scheint. Die Frauen an der Rezeption – es sind fast immer drei – sind sehr verwundert über mich. Ausländer wohnen sonst im Radisson SAS, am Fluss. Ich bin die erste Ausländerin hier. Während ich die Check-in-Karte ausfülle, sieht eine von ihnen, dass ich aus Berlin komme. Sie murmelt: “Kommt aus Berlin und fährt nach Rostow am Don, eigenartig…“

An meinem zweiten Tag hier habe ich einen Interview-Termin mit dem Leiter einer Hilfsorganisation, der am Morgen aus Ossetien hier in Rostow eingetroffen ist. Alexandra, die mir den Termin organisiert hat, ruft mich an. Ich solle sofort zum Treffpunkt kommen. Wir fahren Taxi. Es ist so heiß im Taxi, dass Schweißtropfen aus meinen Kniekehlen laufen. Vor dem Büro der Organisation wartet Leonid, er ist mein Übersetzer, groß und breit, mit einer Glatze und einem warmen Lächeln. Auch Eduard, mein Gesprächspartner, ist sympathisch, um die 50, leicht ergrautes Haar. Seine Stimme ist leise, er spricht bedächtig. Klärt mich über die Arbeit der Halbstaatlichen Organisation “Alania-Ir“ auf. Eigentlich kümmern sich die Mitglieder um die Ossetische Kultur in Rostow, organisieren Theaterstücke und Konzerte. Jetzt bringen sie Lebensmittel und Toilettenpapier nach Nord-Ossetien, in die Flüchtlingscamps. Weiter »
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Datum: 16. August 2008
Die Yellow Press hat auch in Russland Humor.

“Saakaschwili wollte sich in einem Anfall von Verrücktheit selbst erschießen.”
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Datum: 15. August 2008
Bevor ich diesen wunderbaren Ort hier verlasse und mich Richtung Süden aufmache, will ich Euch Belgorod noch zeigen.

Hier leben etwa 500.000 Menschen und es gibt fast so viele Fontänen, jeden Tag kommt eine dazu. Das hat Lena gesagt. „Du wachst hier morgens auf, läufst durch die Stadt und – huch – schon wieder eine.“ Die neuste Fontäne ist bunt und spielt Musik, während sie Wasser spuckt. Weiter »
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Datum: 12. August 2008
Georgien hat eine Waffenruhe verkuendet und Russland ist mit seinen Panzern aus Ossetien nach Zetralgeorgien vorgedrungen. Vielleicht, offenbar, man weiss es nicht genau. Sind die georgischen Truppen ganz abgezogen? Wie sieht es in der Sued-Ossetischen Hauptstadt Zchinwali aus? Werden die Osseten in ihre Staedte zurueckkehren koennen? Was wird Russland als naechstes tun? Wird alles noch schlimmer?
Der heisse Krieg ist vielleicht erstmal vorbei, der Medienkrieg noch lange nicht, der hat gerade begonnen. Denn wussten die meisten Menschen vor kurzem noch nicht mal, wer oder was Ossetien ist, wollen sie jetzt wissen, auf welcher Seite sie stehen sollen. Auf der des sympathischen “Westlers” Saakaschwili, der in die NATO will und waehrend der Olympischen Spiele eine Militaeroffensive gestartet hat? Oder auf der Seite Russlands, das seine Muskeln zeigt, einen Genozid verhindern wollte und nebenbei, dass Georgien auch nur irgendeine Chance hat, in die NATO zu kommen? Weiter »
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Datum: 11. August 2008
Es ist Krieg im Kaukasus und wir lesen, sehen und denken – nur was?
Sollte Georgien tatsächlich den Schatten der Weltwahrnehmung zur Eröffnung der Olympischen Spiele nutzen wollen, um Südossetien zu überrennen? Nimmt es dazu sogar das Risiko eines russischen Waffengangs in Kauf? Und was gewinnt Georgien mit einem eroberten, aber politisch und psychologisch nicht zu befriedenden Südossetien, das in einen Partisanenkrieg treiben könnte?
Den ganzen Kommentar der ZEIT, hier. Weiter »
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Datum: 10. August 2008
„Mit 10.000 Rubel bist Du der König von Abchasien!“ sagt Lena und lacht. „Na ja, zumindest war es extrem billig, als ich da war, vor drei Jahren.“ Sie zeigt mir Fotos von wunderschönen Wasserfällen – der Kleine heißt Träne des Mannes, der Große Träne der Frau. Die Strände sind leer, die Klöster haben beeindruckende Fresken, es gibt Höhlen und Stalins Datscha.

Wenn Gardjej größer ist, will sie wieder hinfahren. Gardjej schläft grade, er ist vier Monate alt und hat gestern mein Nachthemd voll gekotzt. Lena ist Timas Frau, Tima ist Arturs Bruder und bei Artur wohne ich. Wir trinken Kaffee, Tee und essen ununterbrochen Süßigkeiten. Gefüllte Waffeln, Kekse, Schokolade. Und wir reden. Unter anderem über den Krieg in Süd-Ossetien und Abchasien. Tima und Lena sagen, nach Sotchi kann man immer fahren, obwohl es quasi in Georgien liegt. Da sind so viele reiche Touristen, da sollen die Olympischen Spiele 2014 stattfinden und alle Politiker haben ihre Datschen dort. In Sotchi wird nichts passieren, dafür werden Putin und Medwedew, wenn nötig, persönlich sorgen. Ich glaub, ich will gar nicht nach Sotchi fahren. Weiter »
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Datum: 9. August 2008
„Kaschmarrrrrrrr!“ heißt Alptraum auf Russisch. Man kann es ständig benutzen. Meine Russisch-Lehrerin, Malvina (rechts), hat es ständig benutzt. Meist, um sich über meinen Mitstudenten, Scott aus Washington, lustig zu machen. Jedes Mal, wenn wir uns intensiv mit Russischer Grammatik beschäftigt haben, hat Scott schockiert gekuckt.

Dann hat sie es gesagt und ihn ausgelacht. „Schrecklich, nicht, Scott? Furchtbar, Kaschmarrrrr!“
Ich kenne wenigstens vier Fälle. Nominativ, Dativ, Genitiv, Akkusativ. Das ist doch schon mal was. Hier sinds zwei mehr, Instrumental und Präpositiv, na gut, hilft ja nix. Judit aus Ungarn ist die Beste, sie hatte Russisch jahrelang in der Schule und ihre Sprache ist ähnlich kompliziert. Weiter »
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Datum: 7. August 2008