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Arctic Editor-Thermals

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Der Club heißt Mond aus Papier, was auf Deutsch poetischer klingt, als Papier-Mond, finde ich. Es geht nach unten, in den Keller. Oksana liebt diesen Club, hier gibt’s immer Rock und heute auch Freibier, zumindest, solange der Vorrat reicht. Um uns Mauerwerk, die Bar ist rot, Tische stehen gedeckt im Raum, an den Wänden und der Decke hängt Kunst.

Hinten ist ein VIP-Raum, den man schließen kann, vorne ein VIP-Tisch der aussieht wie der Korb eines Gasluftballons.

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Drei Indie-Rock-Bands aus Samara spielen um acht. Noch ist aber Sound-Check und sieben. Oksana und ich sitzen im hinteren Raum, der Boden leuchtet, Barbies liegen drin. Ich hab uns Tee bestellt.

„Was für eine ungewöhnliche Wahl.” Sagt Oksana, „Ich hab Dich noch nie Tee trinken sehen.” Zu diesem Zeitpunkt kennen wir uns grade etwa 36 Stunden, von denen wir 10 geschlafen haben. Ihr fällt es auch auf. „All die Jahre…und ich hab Dich nie Tee trinken sehen!” Wir lachen beide sehr laut. Als die Kellnerin vorbei kommt, sage ich ernst: “Wir sind quasi Schwestern, wir kennen uns seit Jahren!” Die Kellnerin findet das natürlich nicht annähernd so lustig wie wir.band2

Langsam wird es voller, Oksana trifft einen Bekannten, den Fotografen der hiesigen Stadtzeitschrift. In diesen Kellerräumen in Samara sind, was in Russland sehr selten ist, mehr Männer als Frauen. Überall enge Jeans, Chucks, große Aufdrucke auf T-Shirts, die Gäste hier haben den gleichen Kleidungs-Lieferanten, wie die Jungs aus den englischen Musikzeitschriften.

Oksana und ich holen uns jeder ein kostenloses Kaltgetränk und stellen uns an einen Ort, weit weg von den Boxen. Es ist so laut, dass es weh tut.

Die erste Band, Teen No More,  besteht aus drei jungen Männern und klingt ein bisschen wie die Arctic Monkeys, der Sänger hat sich sogar einen Sheffield-Akzent zugelegt.

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Wie überall stehen hinten die Coolen und vorne die Fans. Wir sind in der Mitte und wippen mit. Teen No More spielen nicht lange, schließlich müssen drei Bands in zwei Stunden untergebracht werden, es ist Dienstag, Lärm bis in die Nacht ist nicht erlaubt.

„Ich hab ein glamourni-Girl hier gesehen.” Sagt Oksana in der Umbau-Pause. Während die zweite Band, Big Steakhouse, spielt, sehe ich das glamourni-Girl auch. Es sieht verloren aus, mit seinem Leoparden-Minikleid, den totgefärbten Haaren. Sie greift sich an den Busen und rückt ihn zurecht, Oksana und ich kucken uns an: Hast Du gesehen? und lachen.

Die zweite Band klingt ein bisschen härter, der Frontmann schreit ab und zu ins Mikro, die Musik erinnert mich ein bisschen an die Thermals.

Das Freibier ist mittlerweile alle, es gibt nur noch Schwarzbier, mit bezahlen. Der Barmann erklärt es mir nonverbal, in die Lautstärke hinein und obwohl ich es längst verstanden habe, hört er nicht auf zu gestikulieren. Ich nicke, halte ihm Geld hin, er erklärt weiter. Ja, ja!

Den großen Erfolg des Abends hat dann das Avignon Quintett. Die vier spielen Interpol-Editors-Musik, vier, fünf Fans in der ersten Reihe drehen durch, alle fotografieren wild in der Gegend rum und um zehn ist plötzlich alles vorbei. Die Musik muss abgedreht werden, alle verschwinden innerhalb weniger Minuten. Heute gibt’s keine Halli-Galli-Drecksau-Party, aber laut war es.

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